Logistik 4.0 Wie die Blockchain die Logistik im globalen Handel verbessert

Autor / Redakteur: Otto Geißler / Sebastian Human

In den globalisierten und stark fragmentierten Lieferketten dominiert immer noch ein sehr niedriger Digitalisierungsgrad. Zudem hemmen Intransparenz, Datensilos, manuelle und nicht standardisierte Prozesse sowie inkompatible Technologien den Fluss der Waren. Kann die Blockchain hieran etwas ändern?

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Die Blockchain kann den Logistik-Sektor bereichern, indem sie beispielsweise für mehr Transparenz der Lieferketten sorgt.
Die Blockchain kann den Logistik-Sektor bereichern, indem sie beispielsweise für mehr Transparenz der Lieferketten sorgt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die logistischen Wertschöpfungsketten schreiben vielfach noch manuelle Dateneingaben beziehungsweise papierbasierte Dokumentationen vor. Dadurch ist eine zeitnahe Weiter- und Rückverfolgung von Waren in Echtzeit auf dem Weg durch die Lieferketten nur schwer möglich.

Mit rund 90 Prozent des globalen Handels gehört die internationale Schifffahrtsindustrie zu den wichtigsten Branchen in der Logistik. Da viele Akteure und Parteien mit oft gegensätzlichen Interessen und Prioritäten beteiligt sind, präsentiert sich die Schifffahrtsindustrie extrem komplex. Daher werden neue Effizienzen durch die Digitalisierung in der Handelslogistik erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft ausüben.

Mit über 50.000 Handelsschiffen sowie einer Vielzahl von Zollbehörden, die den Frachtverkehr regeln, ist die Seefahrt ein entscheidender Bereich, in dem wesentliche Effizienzsteigerungen erzielt werden können. Mit dem Abbau von Handelsschranken in der Lieferkette ließe sich nach einer Schätzung des Weltwirtschaftsforums das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um fast 5 Prozent und der Welthandel um 15 Prozent steigern.

Mehr Effizienz mit der Blockchain

Besonderes Potenzial birgt aber auch die Blockchain-Technologie. Sie kann dazu beitragen, Engpässe sowie Intransparenzen in der gesamten Wertschöpfungskette der Logistik zu überwinden und erhebliche Effizienzsteigerungen im Hinblick von Beschaffung, Transportmanagement, Track & Trace, Zollzusammenarbeit und Handelsfinanzierung zu erzielen. Die Technologie ist unter anderem dazu in der Lage, eine sichere Datentransparenz zwischen den jeweiligen Akteuren der Lieferkette zu ermöglichen und so eine zuverlässige Basis für Vertrauen zu etablieren.

Darüber hinaus kann die Blockchain durch schlanke, automatisierte und fehlerfreie Prozesse deutliche Kosteneinsparungen erwirken und den physischen Warenfluss erheblich beschleunigen. Daher birgt die Blockchain ein enormes Potenzial zur Optimierung der Kosten und des Zeitaufwands für die Handelsdokumentation und die administrative Bearbeitung von Seefrachtsendungen oder sonstigen Transportgütern.

So können beispielsweise bei einer einfachen Sendung von Kühlwaren von Ostafrika nach Europa fast 30 Personen und Organisationen mit mehr als 200 verschiedenen Interaktionen zwischen diesen Parteien involviert sein.

Gerade für komplexe Lieferketten kann die Blockchain-Technologie nicht nur eine wirksame Herkunftsverfolgung von Waren in Echtzeit erzeugen, sondern auch zur Bekämpfung von Produktfälschungen beitragen. Darüber hinaus bieten Blockchain-basierte Lösungen ein Potenzial für neue Logistik-Dienstleistungen und innovative Geschäftsmodelle.

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Der schlechte Ruf der Blockchain aufgrund des hohen Energieverbrauchs ist eigentlich unbegründet. Sie kann sogar zum Umweltschutz beitragen.

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Maersk und IBM - durchgängige Sendungsverfolgung

Für eine Effizienzsteigerung in der internationalen Schifffahrtsindustrie, starteten IBM und der dänische Logistikriese Maersk ein Blockchain-Projekt, um die Handelsabläufe zu digitalisieren und eine durchgängige Sendungsverfolgung zu etablieren. Die eingesetzte Blockchain-Technologie ermöglicht es den befugten Beteiligten in der Lieferkette, die jeweiligen Schritte des Warenflusses zu verfolgen.

Zudem können die Stakeholder auch den Status von Zolldokumenten, Frachtbriefen und anderen Daten einsehen. Die Blockchain gewährleistet überdies einen sicheren Datenaustausch sowie eine manipulationssichere Ablage der Dokumentation.

IBM und Maersk gehen davon aus, dass mit dieser Lösung jährlich zig Millionen von Schiffscontainern am Monitor verfolgt und auf bestimmte Kriterien geprüft werden können. Somit lassen sich Verzögerungen und betrügerische Machenschaften erheblich reduzieren, was zu Einsparungen in Milliardenhöhe in der Logistikbranche führen könnte.

Pilotprojekt zur Digitalisierung von Konnossementen

Die israelische Reederei ZIM führte ein Pilotprojekt zur Digitalisierung von Konnossementen durch. Konnossemente zählen zu den wichtigsten Dokumenten in der Seeschifffahrt und dienen als Quittung beziehungsweise Vertrag für die zu befördernden Güter. Die auf einem digitalen Konnossement gespeicherten Informationen sind deshalb von entscheidender Bedeutung, da es alle notwendigen Details wie Sendungsbeschreibung, Menge und Bestimmungsort sowie die Art und Weise enthält, wie die Waren während des Transports behandelt und später in Rechnung gestellt werden müssen.

Bei dem für ZIM entwickelte Blockchain-basierte System des US-Startups Wave, wurden elektronische Originaldokumente über ein dezentralisiertes Netzwerk fehlerfrei ausgestellt, übertragen und empfangen. Dabei kam es für mehrere Parteien in der Prozesskette, darunter Verlader, Empfänger, Spediteure, Häfen, Zollbehörden, Banken und Versicherungsgesellschaften, zu einer deutlichen Erhöhung der Prozesseffizienz bei einer gleichzeitig wesentlichen Absenkung der Betriebskosten.

Optimierung der Rückverfolgbarkeit in Lieferketten

Die Blockchain-Technologie soll vielfach zum Einsatz kommen, um die Transparenz in der Lieferkette zu verbessern und eine Beweiskraft für den jeweiligen Status einer Ware zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erhalten. Dafür werden Daten per Sensoren und verwandter Technik über die gesamte Wertschöpfungskette gesammelt und in der Blockchain gespeichert. Dies bedeutet, dass die Daten dauerhaft und leicht zugänglich sind und den Akteuren in der Lieferkette umfassendere Track-and-Trace-Funktionen zur Verfügung stehen als mit herkömmlichen Lösungen.

Gemeinsam mit Partnern testete Wal-Mart eine Blockchain-Lösung zur Rückverfolgung von Lebensmitteln wie beispielsweise Schweinefleisch aus China oder Mangos aus Mexiko. Das heißt, im Falle einer Kontamination konnte Wal-Mart leicht eingreifen und das Problem umgehend und zielführend lösen. Auf diese Weise wurden Mechanismen eingeführt, um eine sachgemäße Pflege von Lebensmitteln auf dem gesamten Weg vom Erzeuger bis zum Lager zu gewährleisten.

Der Opening Talk mit Andreas Meuer (Vorstand Finanzen und Digitalisierung der Fraunhofer-Gesellschaft), Dr. Helge Braun (Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben) und Prof. Dieter Kempf (Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V.).

Fraunhofer-Tag der Blockchain-Technologie

Zwischen Logistik und Bundesblockchain: Eine Kette voller Möglichkeiten

Verhinderung von Medikamentenfälschungen

Laut Interpol sterben jedes Jahr etwa eine Million Menschen durch gefälschte Arzneimittel. Eine Vielzahl der über betrügerische Websites oder in Schwellenländern verkauften Medikamente gilt als gefälscht. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wird von DHL und Accenture ein Blockchain-basiertes Projekt vorangetrieben.

Dazu wird bei der pharmazeutischen Serialisierung jedem Produkt eine eindeutige Identität (Seriennummer) zugewiesen, die dann mit wichtigen Informationen über die Herkunft des Produkts, die Chargennummer und das Verfallsdatum verknüpft wird. Durch diese Serialisierung kann eine Ware praktisch zu jedem Zeitpunkt und in jeder Phase ihres Lebenszyklus zu ihrem Standort zurückverfolgt werden.

Die Blockchain kann also garantieren, dass pharmazeutische Produkte von legitimen Herstellern stammen, nicht gefälscht sind und auf ihrem gesamten Weg vom Ursprung bis zum Verbraucher korrekt gehandhabt wurden.

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