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Truckchain Wie der Traum ausgelasteter Fahrzeugflotten greifbar wird

| Autor / Redakteur: Tom Saeys / Bernd Maienschein

Bekannt wurde die Blockchain ursprünglich als fälschungssichere und transparente Form der Datenkonsolidierung in der Finanzwelt. Doch mittlerweile macht die Technologie auch in der Logistik- und Transportbranche immer mehr von sich reden.

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Vorher: Flottenauslastung ohne „Truckchain“ ...
Vorher: Flottenauslastung ohne „Truckchain“ ...
(Bild: Itelligence)

Wie die Blockchain etwa Flottenauslastungen optimiert, Leerfahrten minimiert und darüber konkrete Wertschöpfungspotenziale erschließt, zeigt das Anwendungsbeispiel der „Truckchain“ vom SAP-Beratungshaus Itelligence bei dem Recyclingunternehmen RGS Nordic.

Im Jahr 2018 fuhren in Europa rund 12 % der Lkw im grenzüberschreitenden Güterverkehr ohne Fracht. Mehr als jeder Zehnte dieser Transporte war also eine Leerfahrt. Dabei verursacht jede dieser Leerfahrten hohe Kosten bei den Unternehmen. Doch auch bei guter Planung ist eine komplette Auslastung der Fahrzeugflotte und damit die Eliminierung von Leerfahrten bislang ein unerfüllter Wunsch von vielen Unternehmen.

Rein manuelle Auftragserfassung

Auch in der Fahrzeugflotte des dänischen Recycling-Dienstleisters RGS Nordic traten bislang viele Leerfahrten auf. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, verschmutzten Boden und Wasser oder Sondermüll zu recyceln. Dafür wird der Abfall von Spediteuren bei den Kunden – oft Bauunternehmen – abgeholt und zu einer der über 35 in ganz Skandinavien verteilten Aufbereitungsanlagen gebracht. Das Problem: Bisher wurde jeder Recyclingauftrag und die damit verbunden Transportbuchung individuell in einem rein manuellen System verarbeitet – auf Papier und per Telefon. Denn es fehlte eine Möglichkeit, Daten von Kundenseite, den Aufbereitungsanlagen und Spediteuren, effizient miteinander abzugleichen.

Nachher: ... und Flottenauslastung mit „Truckchain“.
Nachher: ... und Flottenauslastung mit „Truckchain“.
(Bild: Itelligence)

Dadurch entstanden schnell Leerfahrten, wenn zum Beispiel nicht alle georderten Transporter voll beladen wurden. Für die Spediteure bedeutete das, dass sie ihre Fahrtenkapazitäten nicht voll auslasten konnten, während die Kunden bei der Buchung der Abholtransporte wenig flexibel waren und nur selten kurzfristig Transportbestellungen vornehmen konnten. Für das skandinavische Unternehmen selbst waren die Leerfahrten nicht nur aus Kostengründen ein Problem. Für das auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmen sollte auch mit Blick auf die eigene Umweltbilanz eine Lösung zur optimalen Flottenauslastung gefunden werden, geht doch jede Leerfahrt mit vermeidbaren Treibhausgasemissionen einher.

Von Stift und Papier zum digitalen System

Um diese Situation zu beheben, trat RGS Nordic an Itelligence heran, eine digitale Lösung für das bisher manuelle Buchungs- und Fahrtensystem zu erarbeiten. Gemeinsam mit weiteren Technologiepartnern entwickelten die beiden Unternehmen die sogenannte „Truckchain“, die neben intelligenten Algorithmen zur Flottenplanung vor allem auf die Blockchain als technologische Basis setzt.

Für die Nutzer präsentiert sich die Lösung in Form einer App, die Kundenanfragen und Transporterfahrten digital koordiniert. Dafür werden alle aktuellen Informationen zu Recyclingaufträgen der Baufirmen, geplante Fahrten sowie verfügbare Spediteure in einer SAP-Cloud erfasst und von den Planungsalgorithmen ausgewertet. Über ein Visualisierungs-Tool in der Truckchain-App erhalten die relevanten Akteure jederzeit einen Überblick über die aktuelle Lage und Auslastung der Fahrzeuge.

Kunden können mit der App Recyclingaufträge buchen und auch kurzfristig prüfen, welche Transporter für einen gewünschten Zeitabschnitt noch verfügbar wären. Die App zeigt bei einer Anfrage automatisch in der Nähe befindliche und verfügbare Transporter. Nach Auswahl eines Fahrzeugs durch den Kunden bekommt der Fahrer den Transportauftrag über die Truckchain-App vorgeschlagen und kann die Anfragen annehmen oder ablehnen. Kommt kein Fahrauftrag zustande, erfolgt eine Ausschreibung für die Ladung an alle in der Anwendung registrierten Spediteure, sodass ein anderer Fahrer den Auftrag ausführen kann.

Blockchain sorgt für Transparenz, Datensicherheit und Vertrauen

Während die Blockchain für die Anwender der Truckchain-App nicht direkt bemerkbar ist, war die Technologie doch die wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Lösung von allen Projekt-Stakeholdern angenommen wurde. Denn deren Bereitschaft, ihre Fahrten- und Auftragsdaten für das System zur Verfügung zu stellen, ist ohne Datensicherheit, den garantierten Schutz vor unberechtigtem Zugriff auf persönliche Daten und Transparenz nicht denkbar. Mit der Blockchain als kryptografisch abgesicherter, dezentral aufgestellter Datenspeicherungsmethode konnten die Herausforderungen in dem unternehmensübergreifenden Szenario überbrückt werden.

Dabei kommt im Falle der Truckchain eine sogenannte „Blockchain for Business“ zum Einsatz – ein geschlossenes Netzwerk mit einer zentralen Blockchain, deren Teilnehmer eine vorherige Genehmigung benötigen. So wird sichergestellt, dass nur die in dem Szenario benötigten Akteure über die Blockchain vernetzt werden. Spezielles Blockchain-Know-how ist weder für die Nutzer der Truckchain-App noch für die IT-Verantwortlichen bei RGS Nordic notwendig, da die Blockchain vom Projektpartner Itelligence in einer sicheren Multicloud-Struktur betrieben wird und folglich als Dienstleistung genutzt werden kann.

Ein weiterer Vorteil dieser Blockchain-Variante: Dadurch, dass es sich hier um ein geschlossenes Netzwerk mit einer begrenzten Anzahl an Mitgliedern beziehungsweise Kettengliedern handelt, ist der Energieverbrauch in der Truckchain gering. Schließlich ist so der Bedarf an Rechenleistung für die Validierung von Transaktionen und den Konsens über die Integrität der Kette viel geringer als bei globalen Blockketten-Währungen wie im Falle des Bitcoin.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal MM-Logistik.

* Tom Saeys ist Solution Director Innovations Technologies bei der Itelligence AG.

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