New Mobility und Blockchain Urbane Mobilität der Zukunft

Autor / Redakteur: Sophia Rödiger, Dr. Ulli Spankowski / Peter Schmitz

Wachsende Städte erfordern neue Formen der Mobilität. Unter dem Schlagwort „New Mobility“ sprießen verschiedenste Konzepte und Anbieter wie die Pilze aus dem Boden. Sie alle wollen die Zukunft der Mobilität nachhaltiger und effizienter gestalten. Die Blockchain kann hier helfen verschiedene Mobilitätsanbieter sehr effizient mit immer neuen Partner zu verknüpfen.

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Die dezentrale Blockchain-Technologie ermöglicht einen weiteren Schritt in Richtung einer zeitgemäßen intermodalen, vernetzten und bedarfsgerechten Mobilitätslandschaft.
Die dezentrale Blockchain-Technologie ermöglicht einen weiteren Schritt in Richtung einer zeitgemäßen intermodalen, vernetzten und bedarfsgerechten Mobilitätslandschaft.
(Bild: Yingyaipumi – stock.adobe.com)

Die Blockchain-Technologie gilt als vielleicht größte technologische Entwicklung nach dem Internet. Die Blockchain wurde ursprünglich entwickelt, um ‘peer to peer’ Geld über das Internet verschicken zu können – und zwar ohne zwischengeschaltete Intermediäre wie Banken. Dies gelang durch die Erfindung von Satoshi Nakamoto (Pseudonym). Ein geteiltes Hauptbuch (ledger), das die verschlüsselten Transaktionen zwischen allen Netzwerkpartnern abbildet, macht die Technologie besonders sicher, nicht fälschbar und transparent. In Echtzeit können viele verschiedene Parteien kommunizieren, die entlang der Wertschöpfungsketten zusammenarbeiten. Die Anwendungsmöglichkeit sind inzwischen riesig – von internationalen Zahlungen über Supply Chain Management oder das Gesundheitswesen bis hin zur Mobilität. Nicht zuletzt mischt die Blockchain Technologie auch den Kunstmarkt rund um Musik und Bilder auf.

Dezentrales Transaktionsnetz

Bei der dezentralen Blockchain-Technologie kommt die neuartige Protokollstruktur DLT (Distributed Ledger Technologie) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der elektronischen Datenverarbeitung, die allen Teilnehmern des Netzwerks eine gemeinsame Schreib- und Leseberechtigung ermöglicht. Vorausgesetzt man besitzt den richtigen Schlüssel – private and public key genannt – um die Informationen zu dekodieren. Und zwar alles parallel und in Echtzeit. Im Gegensatz zu einer zentral verwalteten Datenbank braucht es in einem solchen Netzwerk keine zentrale Instanz, um neue Einträge in der Datenbank zu generieren und deren Richtigkeit zu prüfen. Das erfolgt bei DLT durch die Dezentralität, denn jede Partei im Netzwerk ist dazu befähigt. Das Prinzip von Vertrauen – wie es ansonsten durch eine Instanz wie den Staat oder die Bank definiert wird – verändert sich grundlegend, da Werte, Verträge und Gesetze digitalisiert und vom gesamten Netzwerk legitimiert werden.

Sichere Ökosysteme

Durch die Kombination von DLT mit DID (Digital Identifiers) und dem Internet der Dinge (IoT) entstehen ganz neue Potentiale für Ökosysteme, in denen wir Mensch, Gegenstand und Unternehmen eindeutig identifizierbar vernetzen können. Bei DID handelt es sich um eine Art Identifikator, der eine überprüfbare, dezentralisierte Identität ermöglicht. Es hat also jeder Nutzer und jede Nutzerin, jedes Gerät und jede Firma einen eindeutigen Erkennungscode. Alle Transaktionen innerhalb des Netzwerks erfolgen verschlüsselt, die beteiligten Netzwerkknoten prüfen und bestätigen diese. Die Daten gehören also allein dem entsprechend agierenden Netzwerkpartner, denn sie sind untrennbar an seine jeweilige digitale Identität gekoppelt. Damit wird das Problem des Internet gelöst, dass wir aktuell im virtuellen Raum nicht wissen, wer sich wirklich auf der anderen Seite einer Transaktion oder Kommunikation befindet. Mit Hilfe der eindeutigen und sicheren Verbindungen aus DLT und DID lassen sich ganze Ökosysteme neu denken und zahlreiche Synergien schaffen.

Die Mobilität von morgen braucht innovative Ansätze

Wachsende Städte und steigende CO2-Emissionen in Verbindung mit stetig schwindenden Ressourcen erfordern neue Formen der Mobilität. Dementsprechend sprießen unter dem Schlagwort „New Mobility“ verschiedenste Konzepte und Anbieter wie die Pilze aus dem Boden. Sie alle wollen die Zukunft der Mobilität nachhaltiger und effizienter gestalten – ob mit E-Scootern, E-Bikes oder Carsharing-Angeboten. Allerdings funktionieren sie alle unabhängig voneinander und so erfordert die Nutzung jedes einzelnen Angebots in der Regel einen eigenen Account bzw. eine eigene App. Hinzu kommen traditionelle Mobilitätsangebote des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, die meist ebenso wenig an andere Anbieter angebunden sind. Es handelt sich hierzulande also um einen äußerst fragmentierten Mobilitätsmarkt, der seinen skandinavischen und niederländischen Nachbarn in puncto Vernetzung stark hinterherhinkt.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Schnell wird deutlich: Es fehlt an Vernetzung, die Synergien zwischen den einzelnen Anbietern ermöglichen und Mobilitätskunden die Kombination verschiedener Angebote sowie die Verifizierung, Buchung und Bezahlung erleichtern würde. Viele bisherige Lösungswege basieren darauf, nacheinander Partner für Partner in die eigene Lösung zu integrieren. Große Aggregatoren versuchen dementsprechend Schnittstelle um Schnittstelle zu erobern – ein mühsamer, zeit- und kostenintensiver Prozess. Zudem bietet er starken, bereits etablierten Marktteilnehmern keinen Anreiz, denn sie würden auf diese Weise die kostbare Schnittstelle zu ihren eigenen Kunden verlieren und müssten zudem noch für die Leistung bezahlen.

Blockchain Technologie meets Mobility

Hier kommt die dezentrale Blockchain-Technologie ins Spiel: Setzt man sie zur Zusammenführung verschiedener Mobilitätsanbieter ein, können sehr effizient immer neue Partner mit anderen verknüpft werden. Analog einem Koppelfeld mit einer Steckerleiste docken sich die Partner einmal über eine Brücke an. Automatisch haben sie Zugang zum gesamten Ökosystem, vorausgesetzt, sie haben mit ihrer digitalen Identität zugestimmt. Die Dezentralität bietet den Vorteil, dass jeder Partner im Ökosystem auch die Services der anderen mit einbinden kann: Jeder von ihnen kann dann auf seinem Marktplatz die verschiedenen Dienstleistungen der anderen bündeln und mitanbieten. Diese Technologie hat damit das Potenzial, eine Ende-zu-Ende-Mobilität über Städte oder gar Länder hinweg zu schaffen. Es wird ein Service Roaming möglich, wie wir es von Mobilfunkverträgen kennen. Das Produkt ist dann nicht mehr der einzelne Service “Scooter grün” oder “Car Sharer blau”, sondern “All you can move” in bunt, angeboten von einer Art Mobilitätsallianz. Den Kunden von urbaner Mobilität werden so Mobilitätsalternativen leichter zugänglich, denn sie benötigen nicht mehr zig verschiedene Apps für die Buchung, Bezahlung und Nutzung verschiedener Mobilitätsservices.

Aber nicht nur die Anbindung neuer Partner wird durch die dezentrale Blockchain-Technologie erleichtert, auch die gesamte Abwicklung bildet die Blockchain wie ein digitaler Notar ab. Das sogenannte Transaction-as-a-Protocol erleichtert die Bezahlmodalitäten, Umsatzverteilung, Identifikation und Verifikation sowie das digitale Vertragswesen in Form von Smart Contracts, also Programmen, die eine Transaktion protokollieren und dabei automatisch dafür sorgen, dass die zugrundeliegenden Bedingungen eines Vertrags eingehalten werden.

Fazit

Die dezentrale Blockchain-Technologie ermöglicht einen weiteren Schritt in Richtung einer zeitgemäßen intermodalen, vernetzten und bedarfsgerechten Mobilitätslandschaft, die den Bedürfnissen der Nutzer entspricht. Durch dezentrale Vernetzung ist sie besonders sicher und ihr Marktplatzcharakter ermöglicht es, die zahlreichen fragmentierten Mobilitätsdienste zu verknüpfen. Der Einsatz dezentraler Blockchain Technologie hat damit das Potenzial, die gesamte (urbane) Mobilität nachhaltig zu verändern.

Über die Autoren

Sophia Rödiger ist CEO und Mitgründerin der Mobility Blockchain Plattform bloXmove, die Mobilitätsanbietern eine nahtlose Implementierung ihrer Angebote in eine globale Allianz ermöglicht. Rödiger arbeitete über sieben Jahre lang im Bereich Innovation, Transformation und Marketing im digitalen Mobilitätsumfeld bei Daimler und leitete dort zuletzt den globalen Startup Hub sowie das weltweite Transformationsteam. Sie ist Business Psychologin, Buchautorin und Mentorin für Frauen und Gründerinnen in Technologie sowie Mobilität.

Dr. Ulli Spankowski hat 2017 sein eigenes Unternehmen Sowa Labs erfolgreich an die Gruppe Börse Stuttgart abgegeben. Dort spielt das Unternehmen eine Schlüsselrolle bei Angeboten für digitale Assets, darunter die Krypto-Handelsplattform BISON. Seit 2019 ist er Chief Digital Officer der Gruppe Börse Stuttgart.

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