Gesundheitsministerium erteilt Zuschlag Ubirch und IBM entwickeln digitalen Impfnachweis

Autor / Redakteur: Dipl. Betriebswirt Otto Geißler / Peter Schmitz

Der digitale Impfpass speichert Daten über eine Smartphone-App. Mithilfe der Blockchain-Technologie soll die Datensicherheit gewährleistet werden. Der Nachweis soll ebenso mit anderen Lösungen der EU kompatibel sein sowie Geimpften unnötige Einschränkungen ersparen.

Im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums entwickeln Ubirch und IBM einen digitalen Impfnachweis auf Blockchain-Basis. Die Anwendung soll binnen zwei Monaten einsatzbereit sein.
Im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums entwickeln Ubirch und IBM einen digitalen Impfnachweis auf Blockchain-Basis. Die Anwendung soll binnen zwei Monaten einsatzbereit sein.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Für ein Budget von 2,7 Mio. Euro soll eine Impfnachweis-App, eine Prüf-App und ein Backendsystem für die Integration in Arztpraxen bzw. Impfzentren entwickelt werden. Dabei wird der Impfnachweis auf dem Smartphone des Geimpften gespeichert werden und auf diese Weise den gelben Papier-Impfpass nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Da die EU beabsichtigt, demnächst einen europäischen Standard zu beschließen, sollen IBM und Ubirch die Interoperabilität mit EU-weiten Lösungen sicherstellen. Dazu ließen die Staats- und Regierungschefs verlauten, dass mehrere Lösungen zugelassen werden, wenn sie untereinander kompatibel sind.

Technisches Funktionsprinzip

In einem Impfzentrum oder beim Hausarzt erhält jeder Geimpfte einen QR-Code in Form einer Plastikkarte, eines Stück Papiers, per Mail oder App. Wobei dieser QR-Code als ein „anonymer Fingerabdruck“ zu verstehen ist, der aus personenbezogenen Daten wie beispielsweise Name, Impfdatum und verwendeter Impfstoff besteht. Dieser wird kryptografisch signiert und in insgesamt fünf Blockchains vorgehalten.

Während einer Abfrage dieses QR-Codes bei einem Grenzübertritt oder einer sonstigen Zugangskontrolle wird nach einem Eintrag in der Blockchain des Ubirch-Systems gesucht. Bei einem Matching darf die geprüfte Person passieren. Personenbezogene Daten sollen dabei nicht sichtbar werden. Die Kontrolleure sehen dann auf einer Verifikationsseite im Internet oder per Handy-App nur, ob eine Bestätigung in der Blockchain tatsächlich vorliegt oder nicht. Im Falle einer Verifizierung gilt der Geprüfte als geimpft.

Geschwindigkeit und Fälschungssicherheit

Zu den wichtigsten Vorzügen der Ubirch-Blockchain gehören neben dem Datenschutz auch die Schnelligkeit der Prozesse sowie eine sehr hohe Fälschungssicherheit. Dagegen sind Einträge in dem herkömmlichen Impfausweisen nicht selten schwer zu lesen und auch sehr leicht manipulierbar. Die Nutzung eines digitalen Impfnachweises ist gemäß dem Bundesgesundheitsministerium nicht verpflichtend. Das heißt, der gelbe Impfpass soll nach wie vor Gültigkeit behalten.

Stephan Noller, CEO von Ubirch erklärte, dass dieses Mal bei der Ausschreibung nicht nur irgendein etablierter Big-Tech-Konzern den Zuschlag erhielt, sondern eine Kombination aus Big-Tech und Start-up. Ubirch kooperiert mit Govdigital, einer Genossenschaft von 15 IT-Dienstleistern der Länder und Kommunen, sowie der Bundesdruckerei. Govdigital stellt eine der verwendeten Blockchains.

Bereits in der Praxis-Anwendung

Das Ubirch-System wurde bereits Ende Januar 2021 im oberbayerischen Altötting und Mitte Februar 2011 im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg installiert. Die Geimpften bekommen dort mit der zweiten Corona-Impfung den digitalen Impfausweis als QR-Code auf einer Plastikkarte ausgehändigt. Der eigentliche Impfstatus wird verschlüsselt auf einer der verschiedenen Blockchains vorgehalten. Innerhalb der nun folgenden acht Wochen soll das System bundesweit ausgerollt werden und lauffähig sein.

Kritische Stimmen

Inwieweit der Impfpass für Vorrechte bei Geimpften sorgen soll, ist im Moment noch unklar. Zumal der Ethikrat Sonderrechte von staatlicher Seite für Geimpfte in Deutschland als unzulässig erklärte. Die World Health Organisation (WHO) lehnte ihrerseits ebenfalls einen Impfnachweis in der geplanten Form ab. Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, vermeldete dazu, dass auch ein Impfstoff die Ansteckung anderer Menschen nicht unbedingt verhindern könne.

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