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Mixtur aus KI, Blockchain und gerichteten azyklischen Graphen

T-Labs und Fetch.AI planen M2M-Economy

| Autor/ Redakteur: M.A. Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Die Telekom Innovation Laboratories und das Start-up Fetch.AI vertiefen ihre Zusammenarbeit. Ziel ist dabei eine nahtlose „Machine-to-Machine“-Wirtschaft, die autonome Agenten mit Ansätzen von Blockchain und gerichteten azyklischen Graphen kombiniert.

Grundlage für ein Wirtschafts-Internet der Zukunft: Fetch.AI arbeitet zusammen mit den T-Labs an einem sicheren und vertrauenswürdigen, digitalen Ökosystem.
Grundlage für ein Wirtschafts-Internet der Zukunft: Fetch.AI arbeitet zusammen mit den T-Labs an einem sicheren und vertrauenswürdigen, digitalen Ökosystem.
(Bild: Fetch.AI)

Statt das traditionelle Wirtschaftssystem nur zu verbessern, will Fetch.AI gleich eine komplett neue M2M-Ökonomie schaffen – das macht das Start-up aus Cambridge zu Beginn des Whitepapers „Fetch: Technical Introduction“ (PDF) klar. Die Vision dabei: Bisher oft brachliegende Ressourcen sollen künftig effizienter eingesetzt werden – Fahrzeuge also seltener ungenutzt herumstehen, Container möglichst nicht leer um die halbe Welt reisen und Schwankungen im Stromnetz besser als bisher ausgeglichen werden. Nutzer der Plattform könnten auch mit bislang nicht wirtschaftlich nutzbaren Daten und Services handeln. Als Schlagworte nennt der Anbieter auf der eigenen Homepage die Begriffe „Universal Integration Protocol (UIP)“, „intelligent Blockchain“ oder „next-generation smart contracts“.

Absichtserklärung vertieft Zusammenarbeit

Schon im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mit Telekom Innovation Labaratories (T-Labs) kooperiert. Nun wollen beide Partner ihre Zusammenarbeit vertiefen und verweisen dabei auf eine gemeinsam unterzeichnete Absichtserklärung (Memorandum of Understanding). Die T-Labs verstehen sich als Denkschmiede und F&E-Einheit der Deutschen Telekom und sind zugleich über ein An-Institut mit der Technischen Universität Berlin verbunden.

Kollektives Wissen der Maschinen nutzen

John Calian, Senior Vice President und Leiter der T-Labs in Berlin, kommentiert: „Die Technologie von Fetch.AI wächst und entwickelt sich. Das haben wir mit Begeisterung verfolgt. Jetzt ist es wirklich spannend, unsere Vorstellungen umzusetzen: Wir integrieren Agenten und sehen, wie kollektives Wissen und selbstorganisierende Systeme Werte schaffen können. Und zwar da, wo vorher kein Wert vorhanden war. Agenten-basierte Systeme sind ein leistungsfähiges Konzept zur Optimierung moderner Datennetze.“

KI-gesteuerte Agenten und useful PoW

Gemeinsam erforschen T-Labs und Fetch.AI dabei das Potential von künstlicher Intelligenz und autonomen Softwareagenten, die selbständig Entscheidungen treffen. Diese Autonomous Economic Agents (AEA) agieren innerhalb eines Open Economic Frameworks (OEF) – das als dezentralisierte, virtuelle Welt mit APIs beschrieben wird. Eine Ebene darunter wiederum ist ein Fetch Smart Ledger angesiedelt, der Elemente von Blockchain und den von der Plattform IOTA bekannten gerichteten azyklischen Graphen (DAG) kombinieren soll.

Dabei führt Fetch.AI beispielsweise das Konzept eines „useful Proof of Work“ (uPoW) mit variablen Schwierigkeiten ein. Somit können sich Nodes verschiedenster Performance am Konsensprozess beteiligen; die zu lösenden Aufgaben sollen zudem einen realen Bezug haben – Rechenleistung also nicht allein um ihrer selbst willen verschwenden. Pro Sekunde werde der Ledger Zehntausende von Transaktionen zu vernachlässigbaren Kosten abwickeln.

Fetch.AI zeigt in einem Video, wie das Zusammenspiel der autonomen Agenten („autonomous economic agents“) innerhalb des Open Economic Frameworks funktioniert:

Roadmap: Mainnet mit Native Token startet in Q4

Aktuell experimentieren Fetch.AI und T-Labs noch mit einem Testnetzwerk. Einer aktuellen Roadmap zufolge sollen im dritten Quartal Alpha- und Beta-Versionen der Infrastruktur in Betrieb gehen. Der Start des Mainnets samt nativem Fetch.AI-Tokens ist für das vierte Quartal geplant.

Fetch.AI und T-Labs sind Mitglieder der Trusted IoT Alliance (TIoTA). Dort habe T-Labs das Start-up auch als kompetenten und aktiven Partner mit einer interessanten Vision kennengelernt.

Telekom fährt mehrgleisig

Nichtsdestrotz fährt die Deutsche Telekom keine eingleisige Strategie. So unterstütze man etwa auch den Daten-Marktplatz von IOTA über die Hashstax Platform. Darüber hinaus engagiert sich der Telekommunikationskonzern in den Zusammenschlüssen Hyperledger, Sovrin, INATBA, Bundesblock oder Hedera Hashgraph (Council member).

Letztendlich würden die Kunden entscheiden, welche der Technologien am besten für die jeweiligen Ansprüche geeignet sei. Die Telekom selbst wolle möglichst viele Lösungen anbieten.

T-Labs: Blockchain, Intelligence und Experience im Fokus

Die Telekom Innovation Laboratories (T-Labs) mit Sitz in Berlin verstehen sich als F&E-Einrichtung (Forschung und Entwicklung) der Telekom und An-Institut der TU Berlin. Innerhalb der Deutschen Telekom ist das sonst eigenständige Unternehmen für alle Konzernbereiche tätig.

Die T-Labs arbeiten anwendungs- und umsetzungsorientiert. Neben der vereinfachten Darstellung zukünftiger Technologieanwendungen sind die wissenschaftlichen Teams dazu angehalten Proof of Concepts (PoC) und Minimum Viable Products (MVP) zu entwickeln, die im Idealfall gleich auch die technologische Grundlage für Geschäftsausgründungen (Spin-offs) bilden.

Das Themenspektrum, mit dem sich die Mitarbeiter der T-Labs beschäftigen, ist breitgefächert: für die Bereiche Cloud Computing, Connected Home und Mobile Payment gibt es eigene Business Units. Branchenübergreifend ist man aber auch in den Bereichen Gesundheit, Energie, M2M und Medien aktiv.

Aktuell sind es vor allem folgende Themen, die im Fokus der Forschungsabeit der T-Labs stehen:

  • Blockchain
  • Intelligence
  • Experience

Die wissenschaftlichen Kooperationen der T-Labs erstrecken sich auf zukunftsträchtige und für die Telekom relevante Gebiete, darunter 5G, IoT und SmartCity und der Zusammenarbeit von Forschern über disziplinäre und staatliche Grenzen hinweg. Die Institution beteiligt sich ferner an ausgewählten nationalen Förderinitiativen des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und BMWi (Wirtschaft) und weiteren Förderinititativen der EU.

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