Chainalysis „Eastern Europe Crypto Crime Report“ Scams und Ransomware dominieren im Krypto-Umfeld Osteuropas

Autor / Redakteur: Martin Hensel / Peter Schmitz

Chainalysis hat mit dem „Eastern Europe Crypto Crime Report“ eine Studie rund um kriminelle Machenschaften im Krypto-Umfeld Osteuropas angekündigt. Erste Vorab-Ergebnisse zeigen: Vor allem Scams spielen eine wesentliche Rolle unter den illegalen Aktivitäten.

Die Chainalysis-Studie zeigt: Vor allem Scams und Ransomware spielen in Osteuropa die Hauptrolle, wenn es um illegale Krypto-Aktivitäten geht.
Die Chainalysis-Studie zeigt: Vor allem Scams und Ransomware spielen in Osteuropa die Hauptrolle, wenn es um illegale Krypto-Aktivitäten geht.
(Bild: Vishnu Vijayan / Pixabay )

Laut Chainalysis ist Osteuropa die einzige Region weltweit, in der illegale Aktivitäten mehr als 0,5 Prozent aller Krytpowährungsvorgänge ausmachen. Grund genug für die Blockchain Data Platform, sich im „Eastern Europa Crypto Crime Report“ detailliert mit der Kriminalitätslandschaft in diesem Bereich zu befassen und Vergleiche mit anderen Regionen weltweit zu ziehen.

Der vollständige Report erscheint im Laufe des Septembers, doch Chainalysis gewährte bereits vorab einen Einblick in einige Ergebnisse. So weist Osteuropa den zweithöchsten Anteil aller weltweiten Regionen auf, wenn es um illegale Aktivitäten mit Kryptowährungen geht – nur Afrika liegt noch weiter vorn. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Osteuropa ein deutlich größeres Krypto-Ökosystem als Afrika aufweist. Zudem ist es die einzige Region mit einem Gesamttransaktionsvolumen von mehr als 400 Millionen US-Dollar, in der illegale Vorgänge mehr als 0,5 Prozent aller gesendeten und empfangenen Werte ausmachen.

Hoher Scam-Anteil

Auch in Sachen illegal transferierter Summen liegt Osteuropa auf dem zweiten Rang, nur Westeuropa verzeichnet noch höhere Werte. Auffällig ist der weltweit höchste Anteil an Scams: Zwischen Juni 2020 und Juli 2021 ergaunerten osteuropäische Betrüger rund 815 Millionen US-Dollar auf diese Weise. Dies unterstreicht auch die hohe Anzahl von osteuropäischen Besuchern auf entsprechenden Scam-Websites.

Ein Großteil davon landete bei Finiko, einem Schneeballsystem, das im Juli 2021 zusammenbrach. Es nutzte neben Bitcoin und Tether auch einen eigenen Coin und versprach den Nutzern monatliche Renditen von mehr als 30 Prozent. Insgesamt sackten die Scammer rund 1,5 Milliarden US-Dollar in Kryptowährungen ein – wie viel davon wieder ausgezahlt wurde, um das Schneeballsystem am Leben zu halten, ist derzeit noch unklar. Auch Darknet-relevante Transaktionen kommen in Osteuropa häufiger als im Rest der Welt vor: Hierbei werden Geschäfte vor allem über den Hydra Market abgewickelt, der sich gezielt an Nutzer in russischsprachigen Ländern richtet.

Heimat von Cyberkriminellen

Chainalysis berichtet zudem, dass osteuropäische Adressen rund 46 Millionen US-Dollar über Ransomware-Attacken eingenommen haben. Die Analysten weisen darauf hin, dass viele der bekanntesten Ransomware-Bedrohungen mit kriminellen Gruppen aus Russland oder mit entsprechenden Beziehungen in Verbindung stehen. Dazu zählt beispielsweise die berüchtigte Evil Corp, deren Anführer angeblich sogar Verbindungen zur russischen Regierung haben.

Ein weiteres Indiz für den hohen Anteil osteuropäischer Cyberkrimineller ist die Tatsache, dass Ransomware osteuropäischer Herkunft oft gezielt Betriebssysteme verschont, die in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) ansässig sind. Dabei handelt es sich um eine Organisation, in der sich Staaten der ehemaligen Sowjetunion zusammengeschlossen haben.

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