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Blockchain in der Automobilindustrie PartChain durchleuchtet Lieferketten

| Autor / Redakteur: Dipl. Betriebswirt Otto Geißler / Peter Schmitz

Das branchenweite Blockchain-Projekt „PartChain“ soll es künftig ermöglichen, in den Lieferketten einen sicheren Austausch von Daten zu gewährleisten. Damit wird künftig die Rückverfolgung von Rohstoffen und Bauteilen mit der Blockchain weltweit sichergestellt.

Das Blockchain-Projekt „PartChain“ soll in der Automobilindustrie die nahtlose Rückverfolgbarkeit von Komponenten und die sofortige Datentransparenz in komplexen Lieferketten ermöglichen.
Das Blockchain-Projekt „PartChain“ soll in der Automobilindustrie die nahtlose Rückverfolgbarkeit von Komponenten und die sofortige Datentransparenz in komplexen Lieferketten ermöglichen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Einwandfreie Bauteile und Rohstoffe, die nach den geltenden Sicherheits- und Gesundheitsstandards gefördert wurden, sind ein wichtiger Faktor für die Herstellung von Fahrzeugen. Mit dem Projekt „PartChain“ und der Blockchain-Technologie will nun BMW die Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen und einzelnen Bauteilen in mehrstufigen internationalen Lieferketten sicherstellen.

„PartChain“ für den sicheren Daten-Austausch

Langfristiges Ziel ist die komplette Transparenz kritischer Rohstoffe in der Wertschöpfungskette von der Mine bis zur Schmelze. „PartChain“ soll dafür eine offene Plattform zur Verfügung stellen, auf der unternehmensübergreifend die Daten der Lieferketten sicher und anonymisiert geteilt werden können.

Dank dem fälschungssicheren Austausch von Daten per Blockcahin sind über die gesamte automobile Wertschöpfungskette Use Cases möglich. Da „PartChain“ neben Blockchain- auch Cloud-Technologien wie beispielsweise AWS oder Microsoft Azure nutzt, lässt sich nun die Herkunft einzelner Komponenten manipulationssicher über die beteiligten Partner hinweg verfolgen.

Bereits 2019 wurde ein Pilotprojekt für den Einkauf von Frontleuchten durchgeführt. Allerdings lag hier der Schwerpunkt auf der reinen Teileverfolgung. An diesem Pilotprojekt waren die beiden BMW-Werke in Dingolfing und Spartanburg/USA sowie drei Standorte des Lieferanten Automotive Lighting beteiligt. In 2020 wird die Plattform auf rund zehn Lieferanten weiter ausgerollt.

Wobei internationale Lieferketten gerade in der Automobilindustrie hoch komplex sind, da eine Vielzahl an Playern auf unterschiedlichen Lieferstufen operieren, die sich auch schnell wieder ändern können. Aus diesem Grunde ist es nicht selten ganz einfach, zum Beispiel die Herkunft oder den Lieferweg eines Bauteils eindeutig nachzuvollziehen.

Bis dato pflegten die vielen beteiligten Partner ihre Daten jeweils isoliert von den anderen. Nicht zuletzt deshalb, weil die jeweiligen IT-Systeme der beteiligten Unternehmen nicht immer durchgängig miteinander kommunizieren konnten. Deshalb war die Implementierung von „PartChain“ für den Einkauf von BMW und seinen Lieferanten mit teils hohem manuellem Aufwand verbunden. In Zukunft sollen die nahtlose Rückverfolgbarkeit von Komponenten und die sofortige Datentransparenz in komplexen Lieferketten quasi „auf Knopfdruck“ erfolgen.

„PartChain“ und Hyperledger Fabric

Die modulare bzw. skalierbare Architektur der Hyperledger Fabric als verteilte Ledger-Plattform bietet für das Projekt „Partchain“ mit ihrer Vielseitigkeit und den Plug-and-Play-Komponenten wie beispielsweise schneller Konsens, Datenschutz und Mitgliedschaftsdienste eine breite Palette an Use Cases. Der vielleicht überzeugendste Fabric-Vorteil ist die Ermöglichung eines großen Netzwerks von kleineren Netzwerken.

Das heißt, die teilnehmenden Unternehmen eines Netzwerks arbeiten zusammen, aber weil einzelne Unternehmen einen Teil ihrer Daten anonym halten wollen oder müssen, entstehen oft getrennte Beziehungen innerhalb der Netzwerke. So kann zum Beispiel ein Nachfrager mit verschiedenen Verkäufern Geschäftsbeziehungen eingehen, die das gleiche Produkt verkaufen. Die getätigten Transaktionen zwischen dem Nachfrager und den einzelnen Verkäufern bleiben jedoch privat und sind daher nicht für alle Verkäufer sichtbar.

Wenn eine vollständige Isolierung der Transaktion erforderlich ist, wird dies über die Funktion „Kanäle“ in der Blockchain Hyperledger-Fabric realisiert. Sollen die Daten privat bleiben, so ermöglicht das die Funktion „private Daten“. Diese privaten Daten können dann auch unter den Mitgliedern oder mit ausgewählten Organisationen auf einer Need-to-know-Basis geteilt werden. Wogegen die „Hashes“ als Transaktionsbelege im Hauptbuch austauscht werden. Das bedeutet, statt eines offenen, genehmigungsfreien Systems bietet die Fabric eine skalierbare und sichere Plattform, die private Transaktionen und vertrauliche Verträge unterstützt. Zudem garantiert ein beschleunigter Konsensansatz schnelle Prozesse.

Mobi bringt die Branche zusammen

Das Projekt „PartChain“ kam im Rahmen der Mobility Open Blockchain Initiative (Mobi) zustande. Sie wurde gegründet, um der Blockchain-Technologie gemeinsam mit den verbundenen Partnern zum Durchbruch zu verhelfen. Für die Umsetzung des Konzepts sind die Entwicklung gemeinsamer Standards sowie wechselseitige Kompatibilitäten der Blockchain-Lösungen vorgesehen. Dies soll den unübersichtlichen Wildwuchs der verschiedenen Systeme ablösen und damit zu einfachen und weitreichend anwendbaren Lösungen beitragen.

Bislang versuchen sich viele Hersteller mit hausinternen Ansätzen, die nur mit punktuellem Erfolg gekrönt waren. An der Mobi sind bereits etwa 70 Prozent des weltweiten Automobilmarktes vertreten. Dies entspricht mehr als 30 Unternehmen aus den Bereichen Automobil, Zulieferer und Software – unter anderem Branchen-Riesen wie General Motors, Ford, Renault und BMW.

Damit belegt die Initiative die hohen Erwartungen der Technologie-Unternehmen an die Blockchain-Technologie. So lässt auch die rege Beteiligung verschiedener Unternehmen in unterschiedlichen Branchen auf zahlreiche künftige Use Cases schließen. Zu den konkreten Anwendungsbereichen der Blockchain zählen unter anderem das Erfassen von Fahrzeugdaten sowie der Datenaustausch zwischen Verkehrsteilnehmern. Zudem sind auch völlig neue Mobilitätskonzepte in der Debatte. Der bayerische Autohersteller leitet in dieser Initiative eine Arbeitsgruppe zum Thema Lieferketten.

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