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Blockchain in der Welt der Automobilindustrie Motor der Digitalisierung

| Autor / Redakteur: Dipl. Betriebswirt Otto Geißler / Peter Schmitz

Mit bahnbrechendem Entwicklungstempo bringt die Autoindustrie innovative Technologien wie zum Beispiel künstliche Intelligenz (KI), autonome Systeme, digitales Staumanagement, automatisiertes Bezahlen oder die Datenbank-Technologie Blockchain auf den Weg. Welche Einsatzfelder sind mit der Blockchain denkbar?

Branchenführer wie BMW, Ford, Renault, Honda und General Motors schlossen sich zur Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) zusammen, um die Einführung der Blockchain im Bereich des Automobilmarkts zu forcieren.
Branchenführer wie BMW, Ford, Renault, Honda und General Motors schlossen sich zur Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) zusammen, um die Einführung der Blockchain im Bereich des Automobilmarkts zu forcieren.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Beim Einsatz einer Blockchain ergeben sich für die Automobilindustrie eine Reihe recht interessanter Anknüpfungspunkte. Mit diesen entstehenden neuen Optionen sind die Hersteller in der Lage, auf aktuelle Trends und Entwicklungen besser reagieren zu können.

Dazu gehören zunehmend komplexer werdende neue digitale Services, die wiederum neue Partnerschaften mit beispielsweise Versicherungen, Ladestationen oder Parkhausbetreibern sowie wachsenden Ökosysteme erfordern. Das alles muss auf eine vertrauensvolle Basis gestellt werden. Gleichzeitig werden ebenfalls die Lieferketten komplexer, globaler, enger und schneller getaktet. Dies hat zur Konsequenz, dass auch die Supply Chains enger kontrolliert und nachverfolgt werden müssen. Daraus resultieren für die Blockchain folgende Szenarien für ihren Einsatz:

Das Auto wird zum Shared Ledger

Das Auto rückt in den Mittelpunkt der Prozesse und wird sogar selbst zu einem zentralen Register (Shared Ledger). Darüber beziehen dann neben dem Autohalter auch verschiedene Vertragspartner autorisierte Zugriffe auf Daten bzw. Berechtigungen zur Abwicklung definierter Transaktionen. Dann wird das Fahrzeug quasi zu einer „Kreditkarte“ und es begleicht Gebühren oder Rechnungen der Werkstatt, Tankstelle, Ladestation oder für Maut bzw. ein Parkhaus.

Indem die Blockchain Kausalzusammenhänge herstellt, Aktionen des Fahrzeugs für alle Beteiligten definiert und dokumentiert, kann die Technologie auch die Funktion eines fälschungssicheren Fahrtenbuchs übernehmen. Darin wird der Kilometerstand oder die tatsächliche Fahrzeit ebenso festgehalten wie der Zustand des Fahrzeugs. Mit der Blockchain lassen sich so auch Car-Sharing-Services optimaler abwickeln. Dank der „Built-in- oder Smart-Contracts“ sind Intermediäre nicht nur überflüssig, sondern sie machen das gesamte Business noch sicherer und einfacher.

Blockchain und digitaler Fahrzeugpass

Mit einer Fahrzeugpass-App auf Basis einer Blockchain könnte man die komplette Historie eines Fahrzeugs nachverfolgen, verifizieren und Daten mit Dritten teilen – beispielsweise die Tachostände für private Autokäufer. In der App könnte man auch Unfälle oder Anzahl der Vorbesitzer hinterlegen. Denn das digitale Verfahren wäre absolut fälschungssicher.

Im Vergleich dazu werden herkömmliche Belege über die Laufleistung eines Autos in den Scheckheften gerne manipuliert. Ein anderes Szenario wären Rabatte von der Kfz-Versicherung für Wenigfahrer. Dazu könnten Autohalter ihrer Kfz-Versicherung per App bzw. durch die Blockchain verifizierte Daten über die Laufleistung ihres Fahrzeugs zukommen lassen.

Blockchain und Autonomes Fahren

Auch für das Thema „vollständig autonomes Fahren“ ergeben sich attraktive Optionen: Hierbei wird das Fahrzeug eines von der Umwelt wahrnehmbares als auch kommunizierendes Objekt verstanden. Die Blockchain-Technologie kann sowohl im als auch um das Fahrzeug herum aktiv Funktionen übernehmen.

So könnte sie die Aktionen aller Fahrzeuge im Straßenverkehr koordinieren, Zustände des Fahrzeugs festhalten und Zugriffe verteilter Teilnehmer zulassen. Das bedeutet, die Autos werden immer mehr zu einer quasi „Mobilitäts-Hardware“ mit verschiedenen Applikationen, die für den Fahrer oder Fahrzeughalter zusehends bessere Services bieten. Auf diese Weise entstehen wiederum neue Geschäftsmodelle für die Hersteller.

Blockchain in der Fertigung

Mithilfe der Blockchain sind Hersteller in der Lage, die Produktion besser und flexibler zu steuern, die Kosten zu reduzieren sowie den Produktschutz zu optimieren. Die einzelnen Bauteile und Komponenten der Zulieferer werden per Smart Contracts nach dem KANBAN-Prinzip in die Fertigung integriert. Die Blockchain sorgt dafür, dass alle Prozesse zuverlässig, nachvollziehbar und unveränderbar durchgeführt werden. Dank der Blockchain-Technologie ist eine Produktion auch in wenigen Stückzahlen zu Bedingungen der Massenfertigung realisierbar.

Die Blockchain verhindert zudem Produktpiraterie bzw. Graue Märkte. Dies geschieht, indem alle Bauteile Sensoren erhalten und auf diese Weise weltweit zurückverfolgt werden können. Smart Contracts ermöglichen es, Autos mit unzulässigen oder manipulierte Bauteilen sogar automatisiert aus dem Verkehr zu ziehen.

Rückrufe von Fahrzeugen sind für einen Automobilhersteller ein aufwendiger und finanziell belastender Prozess. Nicht zuletzt bedeutet das für eine Marke immer Imageschäden, die meist mit zusätzlichen Werbe- und PR-Budgets korrigiert werden müssen. In der Blockchain könnte der Hersteller Daten zu jedem Bauteil und Produkt ablegen sowie jedem Auto eine Fahrgestellnummer zuweisen. Eine Rückverfolgung dieser Teile gestaltet sich so wesentlich effizienter, da nur die Fahrzeuge mit den fehlerhaften Komponenten zurückgerufen werden müssen.

Transparente Logistikketten

Globale Transporte von Bauteilen oder Fahrzeugen müssen genau dokumentiert werden. Der bürokratische Aufwand beim Ausfüllen von Frachtpapieren oder der Kontrolle der Waren ist immens. Die Blockchain kann diesen Aufwand und damit die Kosten nicht nur deutlich reduzieren, sondern auch mehr Transparenz und Sicherheit für sämtliche Transaktionen herstellen.

Das bedeutet, erst mit dem Einsatz der Technologie lässt sich ein zuverlässiges Monitoring der Lieferanten sowie die lückenlose Nachverfolgung der Lieferteile in Echtzeit einrichten. Da in den Smart Contracts die jeweiligen Lieferbedingungen erfasst sind, kann zudem sichergestellt werden, dass alle Parteien die damit verbundenen Rechte und Verpflichtungen für die Lieferungen anerkennen.

Vieles deutet darauf hin, dass sich die Blockchain als unabhängige, akzeptierte Instanz (Single Source of Truth) in diesen zusehends expandierenden Ökosystemen zu einem wichtigen Instrument entwickeln wird.

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