Blockchain im Gesundheitswesen Medizin individualisieren dank Blockchain

Autor / Redakteur: Dipl. Betriebswirt Otto Geißler / Peter Schmitz

Eine personalisierte Medizin soll den Patienten schneller zu einer für ihn optimal geeigneten Therapie führen und zugleich die Effizienz im Gesundheitswesen verbessern. Hierfür muss eine Vielzahl an Daten ausgewertet werden. Welchen Beitrag kann die Blockchain dazu leisten?

Die Therapie zielt nicht nur auf eine genaue Diagnose, sondern auch auf die speziellen Charakteristika des Patienten, die Einfluss auf die Wirksamkeit, Verträglichkeit oder optimale Dosierung der Medikamente nehmen können.
Die Therapie zielt nicht nur auf eine genaue Diagnose, sondern auch auf die speziellen Charakteristika des Patienten, die Einfluss auf die Wirksamkeit, Verträglichkeit oder optimale Dosierung der Medikamente nehmen können.
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Wenn Patienten medizinische Hilfe benötigen, suchen sie den für die spezifische Erkrankung zuständigen Arzt auf, der wiederum eine Reihe von Tests durchführt, seine Diagnose stellt und die Behandlung einleitet. Wobei die Entscheidung über eine bestmögliche Gesundung eines Patienten nie alleine auf einer Diagnose begründet wird, sondern sie schließt immer Kriterien wie beispielsweise das Alter, die Physis oder eine Familienanamnese des Patienten mit ein.

Gerade da jeder Mensch von Natur aus verschieden und nicht jede Behandlung für alle gleich gut geeignet ist, wird dieser Prozess vielleicht schon in absehbarer Zeit völlig neu angedacht werden. Dank der neuen Technologien wie Big Data, Analytik und Blockchain stehen mit der Erfassung und Verarbeitung einer Vielzahl von Patientendaten bis hin zur Gestaltung human-genetischer Modelle eine Reihe von zukunftsweisenden Instrumentarien zur Verfügung, die das Gesundheitswesen umkrempeln werden.

Große Datenvolumina für eine neue Medizin

Damit eine personalisierte Medizin eine spezifische Behandlung für einen Patienten ermöglicht, müssen große Datenvolumina erfasst, zusammengeführt und gemeinsam analysiert werden. Das sind zunächst Patientendaten aus dem Krankenhaus-Informations-System (KIS), Endoskopische Mukosa Resektion (EMR), Labor- und Bilddaten u.v.m. Hinzu kommen aktuell publiziertes medizinisches Wissen aus Fachbüchern, Guidelines oder Fachartikeln.

Der Ansatz dieser neuen Medizin erfordert jedoch eine noch weitaus detailliertere Erfassung von Informationen über den Patienten wie beispielsweise Genomdaten, Lebensumfeld sowie Lebensstil, um eine noch besser geeignete Behandlung zu finden. Letztlich geht es um diese riesigen Datenvolumina, die eine Personalisierte Medizin ausmacht.

Hindernisse behindern moderne Diagnostik

Obwohl die Bedeutung der Genomik für die Behandlung aller möglichen Krankheiten bereits bekannt ist, gibt es noch einige Hürden, die noch überwunden werden müssen. Zunächst einmal muss noch viel mehr Forschung im Bereich der Genomik und der daraus abgeleiteten Behandlungsmöglichkeiten betrieben werden. Des Weiteren sind die Kosten für eine Genomsequenzierung zwar mittlerweile deutlich niedriger, aber immer noch nicht preiswert genug. In ein paar Jahren sollen sie schätzungsweise bis auf 100 Dollar fallen.

Die vielleicht größten Hürden, die derzeit eine positive Entwicklung behindern, sind die Interoperabilität von DNA-Daten und die Bereitschaft von Organisationen, diese miteinander teilen zu wollen. Aktuell sind viele dieser Daten in den zentralisierten Datenbanken von Unternehmen und Gesundheitseinrichtungen gespeichert. Abgesehen von den Fragen des Datenschutzes besteht das Problem darin, dass diese Daten nicht in einem einheitlichen Format vorliegen, das einen Vergleich mit Daten aus einer anderen Datenbank ermöglichen würde.

Selbst wenn dies der Fall wäre, sind viele Organisationen gegenwärtig noch nicht bereit, die von ihnen vorgehaltenen Daten mit anderen Partner-Forschungseinrichtungen zu teilen. Daraus folgt: Wenn also das volle Potenzial einer individualisierten Medizin ausgeschöpft werden soll, müssen Forscher auf globale DNA-Datenbanken zugreifen können, die vielfältig, global repräsentativ und sicher genug ist, damit Einzelpersonen darauf vertrauen können, dass ihre Informationen nicht kompromittiert werden.

Blockchain als Lösung und Wegbereiter

Mit einer solchen zugrundeliegenden Plattform könnten die einzelnen Parteien quasi auf einem offenen Markt agieren, wobei der Einzelne auf eine für ihn maßgeschneiderte Lösung zugreifen kann. Eine solche Umgebung wird durch die Blockchain bzw. Distributed-Ledger-Technologien (DLT) realisierbar. Denn verteilte Datenbanksysteme bieten die Möglichkeit, diese Form von offenem Marktplatz zu etablieren, da die Technologie eine extrem hohe Sicherheit garantiert.

Einzelne Parteien bzw. Teilnehmer des Blockchain-Netzwerks speichern ihre DNA-Daten auf der Blockchain und nur sie verfügen über diese Daten. Es besteht keine Notwendigkeit, sie in zentralisierten Datenbanken zu speichern, die sich im Besitz einer dritten Organisation befinden und zudem sehr anfällig für Hacker oder Datenverletzungen sein können.

Da diese Daten sehr sicher vorgehalten werden, können die Netzwerk-Teilnehmer sich dafür entscheiden, ihre Daten anonym mit anderen Parteien zu Zwecken der medizinischen Forschung, öffentlichen Gesundheitsstudien oder Medikamentenentwicklung zu teilen. Nicht nur das, sie können sich dafür auch entlohnen lassen. Der Zugang zu einer globalen DNA-Datenbank wird das Spektrum der Krankheiten, für die eine Behandlung gefunden werden kann, dramatisch vergrößern und die Zeit, die für die Entwicklung solcher Behandlungen benötigt wird, deutlich reduzieren.

Fazit

Die Blockchain ist schon jetzt dazu in der Lage, für eine personalisierte Medizin die notwendige Grundlage zu schaffen. Dadurch erhalten alle Beteiligten nicht nur mehr Sicherheit und Kontrolle über ihre eigenen Daten, sondern gewähren ihnen auch zugleich Zugang zu einer extrem großen Anzahl genomischer sowie anderer Gesundheitsdatensätze, um aussagekräftige und potenziell transformierende Informationen zu sammeln und neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Durch die Integration von Daten aus mehreren Quellen in Verbindung mit anderen Spitzentechnologien wie maschinellem Lernen (ML) und künstlicher Intelligenz (KI) eröffnet die Blockchain neue Perspektiven, um insbesondere schwere Krankheiten bzw. Epidemien besser zu verstehen und Lösungen zu finden. Dies gilt gleichsam für die Forschung als auch den behandelnden Arzt, der den vollständigen Überblick zur Krankengeschichte seines Patienten erhält, sofern er von seinem Patienten dazu autorisiert wurde.

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