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App-Entwicklung für das Backend

KI und Blockchain für Bankprozesse

| Autor/ Redakteur: Felix Grevy * / Stephan Augsten

In Verbindung mit künstlicher Intelligenz, kurz KI, und Blockchain lassen sich im Finanzsektor viele Prozesse effizienter gestalten. Dies gilt insbesondere für Innovationen im B2B-Bereich, die aktuell umgesetzt werden sollen.

Beispielhafte Struktur einer Private-Blockchain-Lösung für das Kreditgeschäft: Konsortialkreditführer und Kreditgeber tauschen auf einer transparenten Plattform in Echtzeit Informationen für die Kreditabwicklung aus.
Beispielhafte Struktur einer Private-Blockchain-Lösung für das Kreditgeschäft: Konsortialkreditführer und Kreditgeber tauschen auf einer transparenten Plattform in Echtzeit Informationen für die Kreditabwicklung aus.
( Bild: Finastra )

Zunächst einmal sollte man sich bewusst machen, dass KI und Blockchain den Wettbewerbsdruck in der Branche erhöhen. Um weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können müssen Banken ihre Abläufe im Backend weiter optimieren und automatisieren – eine Chance für Entwickler von B2B-Finanzanwendungen.

Dabei gilt es nun zu identifizieren, welche Prozesse das größte Optimierungspotenzial aufweisen, um deutlich spürbare Effekte zu erzielen. Tendenziell bietet jede Aufgabe Möglichkeiten für eine Automatisierung, die noch immer eine manuell gepflegte Tabelle beinhaltet.

Das kann in der Finanzmodellierung der Fall sein, bei Entscheidungen über Kreditrisiken und sogar im Investment-Banking. Dieser Beitrag zeigt Möglichkeiten und Beispiele für Anwendungen von KI und Blockchain im Backend von Finanzinstituten auf.

Weniger manuelle Abstimmung dank Blockchain

Ein erstes wichtiges Anwendungsfeld für Blockchain-Lösungen ist das Konsortialkreditgeschäft (Syndicated Lending). Bei dieser Form der Kreditvergabe stellen zwei oder mehr Kreditgeber einem oder mehreren Kreditnehmern gemeinsam ein Darlehen zur Verfügung. Dies ist etwa bei hohen Kreditbeträgen ab 30 bis 50 Millionen Euro oder zur Risikostreuung notwendig.

Um die Finanzierung zur Verfügung zu stellen, bilden die beteiligten Banken dazu ein Konsortium, wobei ein Kreditinstitut als Konsortialkreditführer für die administrativen Aufgaben, den Kundenkontakt und die Koordination untereinander verantwortlich ist. Gerade der letzte Aufgabenblock kann für den Konsortialkreditführer sehr kosten- und zeitaufwändig werden, insbesondere wenn eine große Zahl an Kreditgebern eingebunden ist.

Hier können insbesondere private Blockchain-Technologien wie Fusion LenderComm die Abstimmungsprozesse zwischen Kreditnehmern und Konsortialkreditführern weitestgehend automatisieren und den kostenintensiven manuellen Aufwand deutlich reduzieren.

Private Blockchains sind im Gegensatz zu den öffentlichen Strukturen geschlossener, also eingrenzbarer für definierte Nutzergruppen. Zugangsbeschränkungen sorgen dafür, dass eine Nutzergruppe mit strengen Compliance-Vorgaben die Technologie regelkonform verwenden kann, daher ist diese Blockchain-Variante besonders gut für Anwendungen in der Finanzindustrie geeignet.

Der Einsatz der Blockchain-Technologien ist aber auch in anderen Bereichen denkbar. Beispielsweise könnten Clearingprozesse, also die Feststellung, ob die Parteien eines Wertpapierhandels entweder Geld oder Aktien liefern, effizienter und damit auch günstiger werden. Auch die Stimmabgabe von Aktionären bei Hauptversammlungen ließe sich über die Blockchain abwickeln. Die Beispiele zeigen: Die Potenziale sind enorm und die Branche steht hier noch ganz am Anfang.

KI kann heute schon Betrüger erkennen

Verglichen mit dem frühen Stadium von Blockchain-Projekten sind KI-Technologien bereits etablierter in der Finanzindustrie. Eine der wichtigsten Einsatzmöglichkeiten im Backend von Banken liegt in der Betrugserkennung im Zahlungsverkehr.

Das geschieht heute häufig noch auf Basis einfacher, regelbasierter Systeme. Doch die Betrüger entwickeln sich technologisch weiter, sodass diese Lösungen immer wieder aufwändig auf den neuesten Stand gebracht werden müssen, um mit ihnen Schritt zu halten.

Künftig könnte diese Aufgabe eine KI-basierte Anwendung übernehmen: Diese kann Muster und Interdependenzen von Daten aufzeigen, die dem menschlichen Auge allein oft verborgen bleiben. Selbstlernende Algorithmen können sich in diesem Zusammenhang eigenständig an neue Fälle anpassen und sich kontinuierlich selbst optimieren.

Hierfür verfügt die Branche also bereits über KI-basierte Ansätze, doch auch darüber hinaus sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältig: beispielsweise kann KI in Form von semantischen Textauswertungen Wettbewerbsanalysen durchführen, Kundenportfolios erstellen und Trends erkennen.

Projekte richtig angehen

Die Potenziale für neue Anwendungen sind also extrem breit gefächert. Wer als Entwickler diese Chance nutzen will, um mithilfe von KI oder Blockchain das Backend von Banken effizienter zu gestalten, sollte vor dem Projektstart folgende fünf Aspekte beachten:

1. An den Anwender denken

B2B- und B2C-Apps sind gar nicht so unterschiedlich in der Konzeption: Wichtig ist vor allem, die Kernprobleme der Nutzer zu adressieren und für eine angenehme Benutzererfahrung zu sorgen.

Anwendungen sollten sich komfortabel in bestehende Kernbankensysteme integrieren lassen, damit die Nutzer nicht zwischen verschiedenen Lösungen wechseln oder Daten gar manuell einpflegen müssen. Außerdem sind regelmäßige Updates und Ausfallsicherheit ein Muss.

2. Sicherheit von Anfang an mitplanen

Das Thema Datensicherheit muss bei sensiblen Prozessen, wie sie in der Finanzbranche häufig vorkommen, von Anfang an und in jedem Schritt mitgeplant werden. Das gilt umso mehr, wenn die App mit dem Kernsystem einer Bank verbunden werden soll. Daher darf es keinen Einstiegspunkt am Frontend und nur ein einziges Interface über eine Proxy-Firewall am Backend geben.

Banken sind darauf bedacht, die Sicherheit ihrer Kernsysteme und -daten stetig zu verbessern. Denn ein IT-Sicherheitsvorfall würde ein enormes Risiko in regulatorischer und finanzieller Hinsicht, aber auch für die Reputation darstellen. Die Institute legen entsprechend auch bei neuen Anwendungen großen Wert auf IT-Sicherheit.

3. Fokus auf ein vertrautes Fachgebiet

Die besten Lösungen werden von Menschen entwickelt, die sich mit dem betreffenden Problem gut auskennen und eine starke Passion für das Thema mitbringen. Beispielsweise versteht ein Berater von institutionellen Kunden besser die Bedürfnisse und Herausforderungen der Anwender im Corporate Banking als ein Investmentbanker.

Weil der Finanzsektor sehr ausdifferenziert sowie stark reguliert ist und insbesondere die Prozesse im Backend für Laien schwer zu durchschauen sind, haben es branchenfremde Entwickler eher schwer. Daher werden viele Apps von den Banken oder ehemaligen Bankern kommen.

4. Die richtige Teamzusammenstellung

Die wenigsten Apps werden im Alleingang entwickelt. Mit einem Team, das über unterschiedliche Fertigkeiten und Know-how verfügt, kann eine konkurrenzfähige Anwendung entstehen. Wichtig ist, dass alle das gleiche Ziel vor Augen haben. Darüber hinaus braucht es einen Experten für die Geschäftsprozesse, die mit der App vereinfacht oder beschleunigt werden sollen, einen Kenner der Zielgruppe, aber natürlich auch technisch versierte Entwickler von KI- oder Blockchain-Lösungen.

5. Die Wahl der passenden Plattform

Eine zukunftssichere Plattform und das richtige Toolset sind entscheidend für langfristigen Erfolg. Viele Kernbankensysteme basieren noch auf alten Programmiersprachen, die eine Anbindung an neue, innovative Lösungen erschweren.

Idealerweise sollten Entwickler daher eine offene Plattform wählen, auf der sich ihre Anwendungen flexibel und unkompliziert über REST-APIs in die Kernbankensysteme intergieren lassen. Solche Ökosysteme bieten darüber hinaus die Möglichkeit, die Apps zu vermarkten und zu betreiben.

Fazit

Der Markt für B2B-Apps in der Finanzbranche steht noch ganz am Anfang und die Möglichkeiten für Entwickler sind enorm. Kosten- und Wettbewerbsdruck lassen Banken auch immer offener gegenüber neuen Technologien wie KI und Blockchain, aber auch anderen Akteuren wie Fintechs werden.

Doch der Einstieg ist aufgrund der starken Regulierung und der komplexen Prozesse aufwändig und will gut überlegt sein. Wichtigste Voraussetzungen sind Branchen-Know-how, Kenntnis der Anwender und ihrer Bedürfnisse sowie eine genaue Vorstellung, wie Bankenprozesse mithilfe neuer KI- oder Blockchain-basierter Apps optimiert werden können.

* Felix Grevy ist Global Head Product Management PaaS bei Finastra

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