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Malware-Trends

Ist Cryptojacking auf dem absteigenden Ast?

| Autor/ Redakteur: Katharina Söltenfuß / Peter Schmitz

Laut dem aktuellen McAfee Threats Report verdrängte Cryptojacking Anfang 2018 erstmals Ransomware vom Spitzenplatz der Schadsoftware-Liste. Vor einigen Wochen verkündete der bei Hackern sehr beliebte Cryptomining-Dienst Coinhive, dass er seinen Betrieb einstellen werde. Bedeutet das Ende von Coinhive auch das Ende für browserbasiertes Cryptojacking?

Bedeutet das Ende von Coinhive auch das Ende für browserbasiertes Cryptojacking?
Bedeutet das Ende von Coinhive auch das Ende für browserbasiertes Cryptojacking?
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Schürfen von Kryptowährungen wie Bitcoin, Monero oder Etherum ist gewinnbringend, und wie die meisten lukrativen Online-Aktivitäten wurde auch Cryptomining zu einem attraktiven Geschäftsmodell für Cyberkriminelle. So kam Cryptojacking auf. Anders als bei Ransomware geht es dabei nicht darum, Schaden anzurichten, Daten zu verschlüsseln und Geld zu erpressen. Stattdessen möchten Hacker fremde Ressourcen kapern, um ohne das Wissen – geschweige denn die Erlaubnis – der Opfer Kryptowährungen abzubauen. Sie tun alles dafür, unentdeckt zu bleiben. Unterm Strich kann Cryptojacking für den Angreifer langfristig gesehen sogar lohnender sein als eine Ransomware-Attacke. Denn während bei Erpressersoftware nur wenige Opfer tatsächlich Lösegeld bezahlen, arbeiten beim Mining alle befallenen Systeme unbemerkt für den Hacker und schürfen im Hintergrund Coins.

So ist es nicht verwunderlich, dass Cryptojacking bei Hackern in den vergangenen Jahren an Beliebtheit gewann. Der Sicherheitsspezialist Fortinet bezeichnete 2018 gar als Jahr des Cryptojacking-Goldrausches. Mit dem Einbruch des Bitcoin-Kurses Ende 2018 ging zwar auch der Cryptojacking-Pegel wieder etwas zurück, die Gefahr bleibt jedoch weiterhin bestehen. Denn auch bei niedrigen Kursen ist Cryptomining für Kriminelle eine kontinuierliche Einnahmequelle, sofern sie genügend Schürfer für sich arbeiten lassen.

Cryptojacking nicht unterschätzen

Auch wenn der Ressourcenklau im Vergleich zu anderen Hacker-Angriffen harmlos erscheint, sollten Unternehmen Cryptojacking nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ben Kröger, Technische Leitung bei Axians IT Security, warnt: „Ein Befall mit einem Cryptominer ist ein Alarmsignal. Er zeigt, dass es möglich ist, die Infrastruktur zu kompromittieren. Offensichtlich haben die IT-Systeme Sicherheitslücken, die Unternehmen schnellstens schließen müssen. Sie sollten Cryptojacking als Schuss vor den Bug betrachten. Es ist reine Glückssache, wenn nichts Schlimmeres passiert.“

Tatsächlich kann ein Cryptojacking-Angriff ein erster Schritt sein, mit dem Kriminelle weitere Attacken vorbereiten, um ein System vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. So warnen die Sicherheitsforscher von Fortinet, dass Mining-Malware häufig auch Sicherheitsvorkehrungen aushebelt. Manche Varianten deaktivieren unter anderem die Anti-Viren-Software, ändern Firewall-Regeln oder öffnen Ports, um den Download weiterer Malware zu ermöglichen.

Zwei Arten von Cryptojacking

Wenn es um Cryptojacking geht, können Cyberkriminelle entweder Mining-Skripte in den Code von Websites implementieren oder Software auf den Computern der Opfer installieren. Wenn ein Benutzer eine infizierte Website besucht, beginnt das Skript mit dem Abbau von Krypto-Münzen unter Verwendung der Rechenleistung des Browsers des Besuchers. Ben Kröger von Axians erklärt: „Die Installation von Cryptomining-Software auf Endgeräten erfordert Geschicklichkeit, Zeit und Mühe. Darüber hinaus sind die Chancen, dass Anwender es merken, wenn mit ihrem Computer Kryptowährungen geschürft werden, höher. Nutzt der Miner etwa den Grafikprozessor für den Abbau, verlangsamt das die Geräte. Das einfachere, browserbasierte Cryptojacking wurde daher sehr populär.“

Bisher nutzten viele Hacker die legale Plattform Coinhive, um ihre browserbasierten Mining-Projekte aufzusetzen. Ursprünglich wurde sie als Alternative zur Bannerwerbung entwickelt. Unternehmen können damit Geld verdienen, während Interessenten ihre Website besuchen. Dafür stellt Coinhive ein Javascript zur Verfügung, das Betreiber von Webseiten in diese einbauen können, um die Kryptowährung Monero zu schürfen. Allerdings müssen die Besucher dem Mining in der legalen Variante vorab zustimmen. Hacker gehen anders vor: Sie hacken fremde Webseiten und infiltrieren dort ein manipuliertes Coinhive-Script, welches ohne die Einwilligung des Nutzers im Hintergrund läuft. Dieses konfigurieren die Kriminelle so, dass die geschürfte Kryptowährung in ihre Accounts fließt.

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Das Ende einer Ära?

„Cryptojacking befindet sich in einer Art Grauzone. Denn die Auswirkungen – insbesondere das browserbasierte Cryptojacking, das hauptsächlich den Browser verlangsamt – sind zwar lästig, jedoch sind sie nicht verheerend“, sagt Michal Salat, Threat Intelligence Director bei Avast. Dennoch zog Coinhive die Konsequenzen und stellte seinen Service am 8. März 2019 ein. Als Grund dafür nannte Coinhive, dass sich das Geschäft nicht mehr lohne. Unter anderem sei der Monero-Preis innerhalb eines Jahres um 85 Prozent eingebrochen. Viele Sicherheitsunternehmen blockieren zudem webbasiertes Cryptojacking, was einer von vielen Gründen sein könnte, warum Cryptojacking rückläufig ist.

„Es ist schwer vorherzusagen, ob das browserbasierte Cryptojacking jemals wieder zunehmen wird und ob ein anderer Mining-Anbieter die Lücke von Coinhive schließen wird. Der stetige Rückgang des Wertes von Monero und anderen Kryptowährungen könnte auch Cyberkriminelle dazu zwingen, ihre Aufmerksamkeit auf andere, profitablere Aktivitäten zu richten“, meint Michal Salat von Avast.

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