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Blockchain gegen Filmpiraten Illegalen Filmkopien den Kampf angesagt

| Autor / Redakteur: Gert-Jan van Rooyen / Peter Schmitz

Das südafrikanische Startup Custos wurde 2013 gegründet und nutzt die Blockchain, um die Piraterie von Filmen, eBooks und vertraulichen Dokumenten einzudämmen.

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Das südafrikanische Startup Custos nutzt die Blockchain-Technologie, um die Piraterie von Filmen, eBooks und vertraulichen Dokumenten einzudämmen.
Das südafrikanische Startup Custos nutzt die Blockchain-Technologie, um die Piraterie von Filmen, eBooks und vertraulichen Dokumenten einzudämmen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das elfköpfige Team von Custos arbeitet im LaunchLab – dem Startup-Inkubator der Stellenbosch University in Südafrika. Custos versieht alle Arten von Content mit einem digitalen, individuellen Wasserzeichen. Dabei handelt es sich zugleich um ein Bitcoin im Wert von fünf bis zehn US-Dollar. Wer das versteckte Bitcoin findet, darf es behalten. Zugleich erfährt der Rechteinhaber von der illegalen Verbreitung der Datei und kann Datenlecks auf die Schliche kommen. Konkret umgesetzt wird das Verfahren bei Filmen durch Pixel, über die die Informationen übertragen werden. Durch einen speziellen Algorithmus gehen diese auch bei einer starken Bildkompression nicht verloren.

Ich habe mich immer im akademischen Umfeld bewegt, Elektrotechnik an der Stellenbosch University studiert, im Anschluss promoviert und anschließend unterrichtet. Dann hatte ich im Oktober 2013 zusammen mit einigen Kollegen einen Einfall für eine neue Erfindung, die sich kommerzialisieren ließ. Wir erkannten, dass Kryptowährung und private Schlüssel sich zum Schutz von Medien nutzen ließen – ganz im Gegensatz zur ursprünglichen Verwendung der Technologien. Wir haben noch am selben Tag das Patent eingereicht und uns mit Patentanwälten zusammengesetzt. Zugleich haben wir eine staatliche Förderung gesichert.

Universität trifft Wirtschaft

Als Firmensitz wählten wir einen Startup-Inkubator der Universität Stellenbosch . Mit der Spende einer südafrikanischen Bank war die Universität in der Lage, diesen zu finanzieren. Auch die Regierung hat sich beteiligt und wir fanden uns als eine der ersten Firmen in einem schönen und großen Co-Working-Space wieder, für den ein Teil der Universität umgebaut wurde. Bis zum heutigen Tag hat Custos den Inkubator nicht verlassen. In dem Gebäude arbeiten verschiedene Unternehmen Tür an Tür und haben den direkten Draht zur Universität.

Mit dem Start von Custos konnten wir den ersten Ingenieur auf die Gehaltsliste setzen – Mitarbeiter Nummer eins. Außerdem konnten wir an einem Anti-Piraterie-Gipfel in Los Angeles teilnehmen und Vertreter der Filmindustrie kennenlernen. Auf einer Konferenz in Amsterdam lernte ich Brock Pierce kennen. Er war als Kind Schauspieler, wechselte dann in die Produktion und ist außerdem Bitcoin-Spezialist. Die guten Verbindungen von Pierce ermöglichten es Custos, an große Filmstudios heranzutreten und mit Vertretern der Filmindustrie sprechen zu können.

AWS: Von Anfang an mit an Bord

Schon zu Beginn meiner akademischen Laufbahn spielten die Angebote von AWS eine große Rolle bei meiner Arbeit. Für Gründer von Technologieunternehmen wie uns sind sie ideal, denn es ist möglich, sofort zu geringen Kosten loszulegen. So konnten wir unsere Wasserzeichen-Technologie, den Blockchain-Management-Service und die Frontend-Plattform preiswert und unkompliziert in die Cloud bringen. Entsprechend schnell war es möglich, erste Tests mit Kunden weltweit durchzuführen.

Das ist wichtig, denn Kryptowährung und Blockchain sind komplexe Konzepte und es ist ein Fehler, zuerst Produkte zu entwickeln und dann zu versuchen, sie zu verkaufen. Es muss vorher sichergestellt werden, dass sie nachgefragt werden. Daher mein Rat an neue Gründer: Sprecht so früh wie möglich mit potenziellen Kunden und stellt sicher, dass Ihr deren Probleme versteht. So lässt sich das Produkt an die tatsächlichen Kundenbedürfnisse anpassen.

Auf eine Sache musste Custos stets vorbereitet sein: Sollte die Geschäftsidee funktionieren, mussten wir schnell skalieren können. Dank AWS waren wir von Anfang an auf dieses Szenario vorbereitet. Mit Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2) und Amazon Simple Storage Service (Amazon S3) konnten wir zu jedem Zeitpunkt skalieren und gleichzeitig die Kosten niedrig halten. Mit aktivierter Übertragungsbeschleunigung bietet die S3 eine hervorragende Möglichkeit, hochwertige Inhalte zwischen den verschiedenen Teilen der Welt zu übertragen.

Marktsegmente finden und besetzen

Eine weitere Entscheidung galt es früh zu treffen: Die Wahl des richtigen Marktsegments. Als Startup mussten wir eine bestimmte Nische auswählen und besetzen. Im Umfeld der digitalen Inhalte hat sich einiges getan: Vor 18 Jahren ist das Unternehmen Napster in der Musikindustrie auf der Bildfläche erschienen. Es sollte dem Zweck dienen, leichter MP3-Musikdateien über das Internet verteilen zu können. Vieles wurde digitalisiert und früh nach der Veröffentlichung von Filmen wurden Raubkopien im Internet geteilt, doch später wurde zum Beispiel der Dienst Napster nach mehreren Klagen abgeschaltet. Jetzt benötigten Filmstudios neue Tools, um ihre Inhalte vor aktuellen Bedrohungen zu schützen und in diesem Bereich ist Custos erfolgreich. Es war deshalb kein Problem, immer größere Aufträge von Kunden bearbeiten zu können und für die Sicherheit großer Datenmengen zu sorgen.

Startup-Mentalität mit Bodenhaftung

Ich verbringe mittlerweile viel Zeit in Los Angeles, da es die Hochburg für Medientechnik ist. Die Arbeit in LA ist denkbar weit von unseren Anfängen entfernt, aber wir bleiben bodenständig. Wir haben jetzt Kunden in verschiedenen Branchen wie der Unterhaltungsindustrie und dem Bildungswesen. Durch eine klare Definition von Erfolg und einem Produkt auf dem Markt, das Kundenprobleme löst, sind wir erfolgreich.

Rückblickend betrachtet hätten wir uns vielleicht erst mit der Sicherheit vertraulicher Dokumente auseinandersetzen sollen, bevor wir den Schutz von Filmen angingen. Aber jetzt kennen und verstehen wir beide Märkte. Denn wir haben mit den jeweiligen Unternehmen zusammengearbeitet, um ihre Probleme zu lösen und so Kunden zu gewinnen.

Die Medienindustrie verändern

Langfristig sehe ich Custos als das führende Unternehmen für die Analyse von Zusammenhängen zwischen Bitcoins, Blockchain und Medien über die reine Verfolgung von Raubkopien hinaus. Wir haben eine Möglichkeit gefunden, Medienunternehmen darin zu unterstützen, effizienter zu arbeiten und bessere Inhalte bereitstellen. Auf diesem Gebiet wollen wir innerhalb der nächsten zehn Jahre Erfolge verbuchen.

Über den Autor: Gert-Jan van Rooyen war als außerordentlicher Professor an der Universität von Stellenbosch in Südafrika tätig. Um gemeinsam mit einem Studenten und einem Kollegen das Start-Up Custos zu starten, beendete er seine Lehrtätigkeit. Heute wohnt und arbeitet van Rooyen in Südafrika und Los Angeles und wandert in den Bergen von Helderberg oder hält sich in „The Last Bookstore“ auf.

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