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Sicherheit und Authentizität Die Blockchain für die Automobilindustrie

| Autor / Redakteur: Mario Galatovic / Peter Schmitz

Die Blockchain gehört im Ökosystem neuer Technologien zu den prägendsten Entwicklungen in der Automobilbranche. Während manche Hersteller die Einsatzmöglichkeiten der Distributed-Ledger-Technologie prüfen, sind andere schon konkrete Partnerschaften eingegangen. Denn die manipulationssicheren und nachvollziehbaren Eigenschaften der Blockchain bieten im Automobilbereich vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

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Die Blockchain hat das Potenzial, die Automobilindustrie in vielen Bereichen zu revolutionieren, angefangen von der Lieferkette bis hin zu Mobilitätsdiensten.
Die Blockchain hat das Potenzial, die Automobilindustrie in vielen Bereichen zu revolutionieren, angefangen von der Lieferkette bis hin zu Mobilitätsdiensten.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Eine weltweite IBM-Studie unter Führungskräften der Automobilindustrie zeigt, dass 62 Prozent aller Umfrageteilnehmer der Blockchain bis zum Jahr 2021 großes Einflusspotenzial zuschreiben. Denn obwohl die Blockchain in der Allgemeinheit gemeinhin noch mit Kryptowährungen und anonymen Zahlungen im Darknet in Verbindung gebracht wird, sind die Möglichkeiten der zugrundeliegenden Technologie vielfältig. Dementsprechend sind auch bereits einige Hersteller verschiedene Partnerschaften eingegangen, um das Potenzial neben anderen Trends wie autonomen und vernetzten Autos sinnvoll integrieren zu können.

Vertrauenswürdige Supply (Block-)Chain

Die grundlegende Funktionalität der Blockchain erlaubt die zuverlässige und sichere Speicherung von Informationen. Diese werden in Blöcken gebündelt und mit einem kryptographischen Hash versehen, der dem nächsten Block beigefügt wird. Somit sind die Daten stets nachvollziehbar und dank effektiver Verschlüsselung auch gesichert. Diese Transaktionskette eignet sich besonders gut, um Informationen langfristig transparent und zuverlässig abzusichern - gerade in der Automobilbranche, wo bei der Konstruktion einzelner Modelle eine Vielzahl von Bestandteilen verbaut werden, die von unterschiedlichen Herstellern und Zulieferern kommen.

Diese Teile unterliegen mitunter strengen Qualitätsanforderungen, da sie die Sicherheit des fertigen Autos maßgeblich mit beeinflussen, und werden mitunter von externen Prüfern und Institutionen und in ausgiebigen Tests zertifiziert. Aufgrund des großen Konkurrenzdrucks lässt sich nicht immer ausschließen, dass Tests und Siegel manipuliert werden oder gar beschädigte Teile den Weg in das fertige Produkt finden, um Aufträge nicht zu verlieren.

Mithilfe einer in der Blockchain gelagerten Dokumentation sämtlicher Teile und deren Qualitätsnachweise ließen sich solche Betrügereien verhindern. Sämtliche Prüfungen, Siegel und Zertifikate wären nachvollziehbar und transparent einsehbar.

Dokumentierte Verkaufs- und Reparaturgeschichte

Mit der in einer Blockchain gelagerten Verkaufshistorie lässt sich zudem eine vertrauenswürdige und lückenlose Weitergabe von Autos gewährleisten. Hierbei würde in den einzelnen Blöcken der Besitzer des Autos ebenso festgehalten wie Schäden und Reparaturmaßnahmen, und können beim Weiterverkauf eingesehen werden. So ist jeder Käufer genau im Bilde darüber, ob ein Auto rechtmäßig erworben wurde und wie gut es noch in Schuss ist, um eine fundierte Entscheidung darüber treffen zu können, ob sich ein Kauf lohnt oder nicht.

Eine Kombination aus Blockchain und IoT-Technologien erlaubt darüber hinaus die digitale Erstellung eines Fahrtenbuches, das die Qualität und Abnutzung des Fahrzeugs dokumentiert. Die Daten der Kilometerzähler und Tachographen würden so unmanipulierbar werden und als Transaktionsblock in die dafür vorgesehene Blockchain integriert.

Smarte Versicherungen

Ein weiterer Vorteil der Blockchain findet sich in Smart Contracts: Diese vorprogrammierten Wenn-Dann-Beziehungen der einzelnen Blöcke gewährleisten die automatisierte Abwicklung von vorgeschriebenen Prozessen. Dies kann im Falle eines Unfalls hilfreich sein, wenn die Versicherung prüfen muss, welche Ansprüche die Beteiligten geltend machen können. Die von der Polizei dokumentierten Informationen werden in die Blockchain eingefügt, von wo aus die Versicherung Zugriff bekommt und die Abwicklung der Zahlungen veranlassen kann.

Aber auch verhaltensbasierte Vertragsbedingungen sind durch Blockchain-basierte „pay-as-you-drive“-Versicherungspolicen möglich. Vorsichtiges Fahrverhalten und geringe Durchschnitts­geschwindigkeiten können dafür genützt werden, um geringere Zahlungen anzubieten, wohingegen riskantes Fahrverhalten eine höhere Summe zur Folge hat.

Transaktionen zuverlässig absichern

Der vereinfachte Ablauf einer sicheren Transaktion.
Der vereinfachte Ablauf einer sicheren Transaktion.
(Bild: Utimaco)

Die vertrauenswürdige Ausführung dieser Beispiele kann nur erfolgen, wenn sich Hersteller und Nutzer sicher sein können, dass die in den Blöcken gelagerten Informationen auch wirklich unverfälscht und authentisch sind. Die kryptographischen Operationen, die sämtlichen Blockchain-Vorgängen zugrunde liegen, sind durch asymmetrische Verschlüsselungsverfahren geschützt. Damit sie in einem geschützten Rahmen ablaufen und nicht durch externe Eingriffe manipuliert werden können, empfiehlt es sich, sie in der geschützten Umgebung eines Hardware-Sicherheitsmoduls durchzuführen, wo die privaten Schlüssel für den Zugriff auf die Blockchain mit höchster Sicherheit generiert und gelagert werden können. Hardware-Sicherheitsmodule sind nach strengen Sicherheitsvorgaben wie FIPS-140 gesichert und liefern so die Grundlage für sichere und vertrauenswürdige Vorgänge, die für erfolgreiche Blockchain-Projekte so essenziell sind.

Über den Autor: Mario Galatovic ist als Vice-President Product Management bei Utimaco für die Strategie rund um das Produktportfolio und dessen Gestaltung für die Herausforderungen von morgen verantwortlich. Aktuelle Schwerpunkte hierbei sind vor allem Blockchain und Post-Quantum-Kryptographie. Mario hat 15 Jahre Erfahrung in der Beratung, Planung und Umsetzung von angewandter Kryptographie. Vor seiner Zeit bei Utimaco war er bei Thales und Gemalto beschäftigt.

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