CBDCs – Central Bank Digital Currencies Der digitale Euro auf einer privaten EZB-Blockchain

Autor / Redakteur: Anna Kobylinska und Filipe Pereira Martin / Peter Schmitz

Führende Zentralbanken tüfteln an digitalem Geld, den sogenannten CBDCs; die EZB führt das Feld an. Was war nochmal falsch an Stablecoins, Krypto-Assets und digitalen Zahlungen mit Papier-Euros? Haben sich die FinTechs jetzt ein Eigentor geschossen?

Eine CBDC ist eine virtuelle Zentralbankwährung auf der Basis eines privaten (oder Konsortium-kontrollierten), berechtigungspflichtigen Blockchain-Netzwerks.
Eine CBDC ist eine virtuelle Zentralbankwährung auf der Basis eines privaten (oder Konsortium-kontrollierten), berechtigungspflichtigen Blockchain-Netzwerks.
(© immimagery - stock.adobe.com)

Blockchain-gestützte Kryptowährungen wie der Bitcoin oder Ether haben trotz der hohen Volatilität und regulatorischer Risiken an ihrer Popularität nichts eingebüßt. Ganz im Gegenteil: Konkrete Nutzungsszenarien wachsen und gedeihen. Zugleich nimmt das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Papiergeld zu.

Schutz der souveränen Kontrolle der Geldschöpfung

Die Zentralbanken der Welt haben längst eingesehen, dass das „Geschäft“ mit dem Geld schmieden an ihnen rein digital vorbeizieht. Führende Zentralbanken tüfteln seit Jahren insgeheim an digitalen Bargeld-Äquivalenten, den sogenannten CBDCs (kurz für Central Bank Digital Currency).

„Für uns ist der digitale Euro nicht bloß eine Option, sondern etwas, das wir unbedingt umsetzen müssen“, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos in einem Interview. Das Thema stößt anscheinend auf reges Interesse. In einer öffentlichen Konsultation, die im Januar 2021 endete, erhielt die Frankfurter Zentralbank mehr als 8.000 Kommentare zu ihren Plänen für den digitalen Euro.

Gerade einmal rund jeder zehnte der Befragten in der aktuellen EZB-Umfrage möchte eine CBDC mit innovativen Features auf Kosten der Unterstützung von Offline-Transaktionen.
Gerade einmal rund jeder zehnte der Befragten in der aktuellen EZB-Umfrage möchte eine CBDC mit innovativen Features auf Kosten der Unterstützung von Offline-Transaktionen.
(Bild: EZB)

Eine von der Europäischen Zentralbank (EZB) kürzlich durchgeführte Umfrage hat die Erwartungshaltung gegenüber der virtuellen Währung ans Tageslicht gebracht. Die EU-Bürger sind anscheinend gar nicht so heiß auf den rein digitalen Euro. Die Befragten in Deutschland machen sich Sorgen um den Datenschutz und ihre Privatsphäre; alle anderen Eigenschaften treten daneben deutlich in den Hintergrund. Der Wunsch nach Privatsphäre war jedoch nicht gleichbedeutend mit Anonymität. Unter all denjenigen, die ihren Wunsch nach Privatsphäre auf Platz Eins oder Zwei priorisierten, bestand nur einer in zehn auf lückenloser Anonymisierung. An einem möglichen Zugriff auf die Transaktionsdaten einer EZB-Blockchain durch Finanzämter oder andere Behörden schienen sich die Befragten nicht zu stören.

Deutschland war mit rund 47 Prozent aller Teilnehmer relativ stark vertreten. Die demografische Verteilung mag die gesamte deutsche Gesellschaft nicht reflektieren. Neun von zehn aller Befragten waren Männer (87 Prozent). Jeder Dritte (33.5 Prozent) arbeitet für die Tech-Industrie. Knapp acht von zehn der Teilnehmer (76 Prozent) haben ihren 54. Lebensjahr noch nicht erreicht.

Sogar unter dieser demografischen Gruppe scheint das Interesse an neuen Features des digitalen Euros nur schwach ausgeprägt zu sein, möglicherweise ein Zugeständnis an die Innovationskraft der FinTechs. Denn gerade einmal rund jeder zehnte der Befragten (13 Prozent) hat sich für eine CBDC mit innovativen Features und ohne die Unterstützung für Offline-Transaktionen ausgesprochen. Der Schutz der Privatsphäre durch Offline-Transaktionen liegt immerhin rund jedem Zweiten (53 Prozent) derart am Herzen, dass er einen rein digitalen Euro ablehnt.

Im Gleichschritt ins Rennen

Die Vereinigten Staaten, China und Europa haben alle ein eigenes Projekt zur Entwicklung einer digitalen Zentralbankwährung im Köcher. Kein Wirtschaftsraum möchte es übers Knie brechen, aber auch keiner will der Letzte sein.

EZB-Pläne für eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) zielen darauf ab, ein offizielles „frei zugängliches digitales Zahlungsmittel“ für das Bankensystem zu erschaffen. Wie der Bericht der Europäischen Zentralbank zum Digitalen Euro vom Oktober 2020 zeigt, ist man in Frankfurt auf alle Eventualitäten bestens vorbereitet, um die souveräne Kontrolle der Geldschöpfung nicht aus der Hand zu geben. „Unsere Aufgabe besteht darin“, schreiben in ihrem gemeinsamen Vorwort EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Fabio Panetta, Mitglied des EZB-Direktoriums und Vorsitzender der hochrangigen Task Force des Eurosystems für digitale Zentralbankwährungen, „das Vertrauen in das Geld zu sichern.“ Das bedeute, hieß es weiter, man müsse „sicherstellen, dass der Euro fit ist für das digitale Zeitalter.“

Was das in der Praxis bedeuten würde, ist noch nicht klar. Bisher gab es noch nie eine CBDC im Umlauf. Der Bitcoin liefert die Inspiration, aber nicht den technischen Unterbau. Denn eine CBDC unterscheidet sich von Stablecoins und Krypto-Assets schon mal auf Grund des enormen Transaktionsvolumens, aber auch in mehreren konzeptionellen Punkten.

Stablecoins versus Krypto-Assets

Stablecoins sind elektronische Zahlungsmittel des privaten Sektors, die sich von dem Wert bestehender Währungen der Zentralbanken ableiten lassen. Das bekannteste Beispiel war Facebooks vorerst gescheiterte Digitalwährung Libra. „Gescheiterte“, denn Vodafone, PayPal, Mastercard, Visa, eBay, Stripe und andere haben der kontroversen Stablecoin ihre Unterstützung entzogen und so musste Facebook vorerst die Segeln streichen. „Vorerst“, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Facebook hat Libra einfach umgetauft, das Projekt an ein Konsortium privater Unternehmen übertragen und will es dieses Jahr unter dem Markennamen Diem (aus dem Lateinischen für „Tag“) erneut ins Rennen schicken.

Im Gegensatz zu Stablecoins basieren Krypto-Assets wie der Bitcoin (umgangssprachlich als Kryptowährungen bekannt) nicht auf bestehenden Währungen; die Valuierung dieser digitalen Vermögenswerte leitet sich rein spekulativ aus ihrer vermeintlichen Knappheit und der aktuellen Nachfrage ab, die wiederum vom vermeintlichen Nutzwert als Zahlungsmittel oder Wertspeicher abhängt.

Der Bitcoin ist auf einundzwanzig Millionen Einheiten limitiert. Ether, das dezentralisierte digitale Vermögenswert des Ethereum-Netzwerks, hat im Gegensatz dazu weder ein starres unveränderliches Emissionslimit noch eine definierte Geldpolitik für Ether, dafür aber erzeugt es Bedarf an der Kryptowährung durch die Tokenisierung anderer Vermögenswerte via Dapps.

Solange der Wert einer Kryptowährung wie der Bitcoin oder der Ether steigt, dient er einigen Investoren als ein Wertaufbewahrungsmittel, zugleich aber auch als ein Spekulationsvehikel mit einem hohen Risiko für Desillusionierung.

Die Marktkapitalisierung von Ether liegt jetzt bei etwa 470 Milliarden Dollar und nähert sich damit der Börsenbewertung der größten U.S.-Bank, JPMorgan Chase. Die Marktkapitalisierung des Bitcoins hat diese Marke bereits durchbrochen und sich vorerst bei 600 Milliarden U.S.-Dollar eingependelt. Beide diese führenden Kryptowährungen basieren auf öffentlichen Blockchains und entziehen sich der Geldpolitik der Zentralbanken. Damit sind sie diesen Institutionen ein Dorn im Auge.

Die Zentralisierung der Dezentralisierung

Eine CBDC ist eine virtuelle Zentralbankwährung auf der Basis eines privaten (oder Konsortium-kontrollierten), berechtigungspflichtigen Blockchain-Netzwerks (sog. permissioned blockchain). Die Teilnahme an dem Netzwerk ist ein Privileg. Dieses Privileg, Aktivitäten in der Blockchain zu beobachten und durchzuführen, erteilt den Teilnehmern eine zentrale Autorität, nämlich die Zentralbank wie die EZB (oder ein Bankenkonsortium wie die Federal Reserve).

In einem solchen System würden Banken und andere Finanzinstitute, die mit der Zentralbank zusammenarbeiten, Transaktionen für ihre jeweiligen Kunden durchführen, indem sie Rechenknoten des Netzwerks bereitstellen. Außer ihnen hätte niemand irgendeinen Zugriff auf die genehmigungspflichtige Blockchain. Diese Art von Ledger hat mit einer öffentlichen Blockchain nur wenig gemeinsam. CBDCs sind Zahlungsmittel, keine Investitionsinstrumente. Eine Zentralbank wie die EZB könnte Aktivitäten wie die Geldhortung oder Anlagen in dieser Währung zeitweise aussetzen oder bestrafen.

Fabio Panetta, Mitglied des EZB-Direktoriums, Vorsitzender der hochrangigen Task Force des Eurosystems für digitale Zentralbankwährungen, sieht die Innovationskraft von Tech-Giganten als eine Bedrohung des souveränen Geldschöpfungsmonopols der EZB.
Fabio Panetta, Mitglied des EZB-Direktoriums, Vorsitzender der hochrangigen Task Force des Eurosystems für digitale Zentralbankwährungen, sieht die Innovationskraft von Tech-Giganten als eine Bedrohung des souveränen Geldschöpfungsmonopols der EZB.
(Bild: EZB)

Panetta machte in einer Rede Anfang des Jahres deutlich, der digitale Euro sei zum Teil eine Antwort auf die Sorge der EZB über die wachsende Reichweite der Tech-Giganten. Einige Beobachter haben die Menetekel auch schon im Klartext gedeutet. „Wir glauben, der [digitale Euro] ist (...) ein Big-Tech-Neutralisierer“, schrieb BofA Securities, die Makler-Sparte von Bank of America, ganz unverblümt in einem Bericht.

Darüber, ob das jetzt unbedingt etwas Gutes bedeutet, besteht bisher keine Einigkeit. Kritiker des digitalen Euros sehen darin eine unmittelbare Bedrohung für die europäische FinTech-Szene, aber auch für konventionelles Bankwesen.

Einige Experten befürchten, die Einführung des digitalen Euro würde Billionen (Engl. trillions) aus den Girokonten heraussaugen. Konventionelle Banken der Eurozone würden diese billige und zuverlässige Finanzierungsquelle und die resultierende Wertschöpfung verlieren. Die Geschäftsbanken würden gegenüber der EZB den Kürzeren ziehen, ob nun Big-Tech sie herausquetscht oder die EZB ihre Einlagen nimmt.

BofA Securities warnt, dass die Banken der Eurozone zum "Kollateralschäden" einer EZB-Entscheidung zur Einführung eines digitalen Euro werden könnten. Doch auch FinTechs müssen sich warm anziehen. Startups von Finoa.io bis zu Solarisbank haben in den vergangenen Jahren und manchmal Jahrzehnten fieberhaft innoviert; aus den praxiserprobten Blockchain-Errungenschaften der Privatwirtschaft können jetzt die Zentralbanken aus dem Vollen schöpfen. Es stellt sich auch noch die Frage, sich Krypto-Investoren jetzt auch die Butter vom Brot nehmen lassen müssen.

Fazit

Der digitale Euro kommt und wird eine massive Umgestaltung der Wirtschaft auslösen. Darüber, wie tiefgreifend sich diese Evolution des Geldes auf die FinTech-Szene auswirken wird, darf man vorerst nur spekulieren.

Über die Autoren: Anna Kobylinska und Filipe Pereira Martins arbeiten für McKinley Denali Inc. (USA).

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