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Corda - Open Source Blockchain Platform For Business Corda - so funktioniert die DLT-Plattform

| Autor / Redakteur: Thomas Joos / Peter Schmitz

Die Open Source Blockchain Plattform Corda wurde durch den Banken-Verbund R3 Consortium entwickelt. Streng genommen nutzt Corda zwar keine Blöcke und ist daher auch keine echte Blockchain sondern eine Distributed Ledger Technology (DLT). Wie bei Blockchains, nutzt auch Corda die dezentrale Speicherung der Daten.

Die Corda-Plattform ist optimal auf den Einsatz im Finanzwesen und für die Abwicklung von Verträgen ausgelegt. Mit der Enterprise-Version gewinnt man zusätzliche Skalierbarkeit.
Die Corda-Plattform ist optimal auf den Einsatz im Finanzwesen und für die Abwicklung von Verträgen ausgelegt. Mit der Enterprise-Version gewinnt man zusätzliche Skalierbarkeit.
(© yingyaipumi - stock.adobe.com)

Im Jahr 2015 haben verschiedene Banken das R3 Consortium (https://www.r3.com) gegründet. Im Fokus stand die Entwicklung von Blockchain-Lösungen für den Finanzbereich. Genau genommen sollten die Vorteile der Blockchain-Technologie für Banken nutzbar gemacht werden. Eine der ersten Lösungen des Konsortiums ist „Corda“. Mittlerweile sind weit über 100 Unternehmen an R3 und damit Corda beteiligt, darunter zahlreiche bekannte Banken.

Das Konsortium besteht unter anderem aus den Banken Barclays, BBVA, Commonwealth Bank of Australia, Credit Suisse, Goldman Sachs, J.P. Morgan, Royal Bank of Scotland, State Street, und UBS. Ebenfalls Mitglied sind mittlerweile Bank of America, BNY Mellon, Citi, Commerzbank, Deutsche Bank, HSBC, Mitsubishi UFJ Financial Group, Morgan Stanley, National Australia Bank, Royal Bank of Canada, Skandinaviska Enskilda Banken, Société Générale, und Toronto-Dominion Bank.

Die Plattform ist auch über Amazon Web Services verfügbar. Wer die Lösung bei AWS bucht, kann Verträge und Blockchain-ähnliche Funktionen nutzen und mit anderen Cloud-Ressourcen verbinden. Lösungen auf Basis von Corda werden mittlerweile auch in der Praxis eingesetzt. So haben zum Beispiel die Commerzbank und Thyssen-Krupp FX-Transaktionen über Corda abgewickelt.

Blockchain und doch keine Blockchain

Streng genommen nutzt Corda keine Blöcke und ist daher so gesehen auch keine echte Blockchain. Es existiert aber auch in Corda keine zentrale Instanz, in der die Transaktionen verwaltet werden. Wie bei herkömmlichen Blockchains, nutzt auch Corda die dezentrale Speicherung der Daten.

Da keine echten Blöcke genutzt werden, handelt es sich bei Corda um eine Distributed Ledger Technology (DLT). Diese wird im Finanzwesen und bei Aufsichtsbehörden häufig eingesetzt. Ein Distributed Ledger verhält sich wie eine verteilte Datenbank, die wie eine Blockchain dezentral ist. Die Daten werden auf verschiedenen Knoten und Teilnehmern im Netzwerk gespeichert. Generell soll durch die Technik sichergestellt werden, dass nur relevante Partner miteinander kommunizieren, um die Sicherheit der Transaktionen sowie deren Datenschutz maximal zu gewährleisten. Hier muss Corda natürlich Kompromisse eingehen.

Corda wurde so konzipiert, dass Daten nur mit relevanten Parteien geteilt werden. Es bekommt also nicht jeder Teilnehmer alle Daten. Generell sehen nur die gewünschten Partner die entsprechenden Daten. Das widerspricht natürlich dem Ansatz einer echten Blockchain.

Die Open Source-Version von Corda besteht vor allem aus einer Sammlung von Smart Contracts. Diese lassen sich aber mit den direkten Teilnehmern an einem privaten Netzwerk teilen. Dazu kommt, dass jeder Teilnehmer nur die Daten sieht, die ihn betreffen. Die Smart Contracts sind auch der Fokus von Corda, in der Anwendung geht es vor allem um Verträge zwischen Geschäftspartnern. Derzeit werden Lösungen auf Basis von Corda von vielen Banken, Versicherungen und Aufsichtsbehörden eingesetzt. Das Konsortium arbeitet auch mit Microsoft und Intel zusammen.

Auf Github gibt es die Daten der Plattform zum Download. Das Produkt wird mit der Apache 2-Lizenz zur Verfügung gestellt. Alle Versionen von Corda sind frei nutzbar, natürlich auch für den kommerziellen Einsatz. Die Transaktionsdaten zwischen den Parteien sind beim Einsatz von Corda generell immer privat.

Die kostenlose Open-Source-Version bietet alle wichtigen Kernelemente, um eine Blockchain einzuführen. Unternehmen, die Corda einsetzen und professionellen Support, sowie mehr Funktionen benötigen, erhalten auch die Möglichkeit auf die kostenpflichtige Version zu wechseln.

Corda Enterprise stellt Skalierbarkeit sicher

Neben der Community-Version stellt R3 auch Corda Enterprise zur Verfügung. Wenn die Skalierbarkeit der kostenlosen Community-Version nicht ausreicht, können Unternehmen auf Corda Enterprise migrieren. Corda Enterprise ist die kommerzielle Version von Corda. Die Enterprise-Version ist interoperabel und kompatibel mit Corda Open Source.

Corda testen und im Netzwerk nutzen

Corda kann in Windows und macOS auch getestet werden.
Corda kann in Windows und macOS auch getestet werden.
(Bild: Joos)

Wer sich einen Überblick über Corda verschaffen will, kann mit Corda DemoBench auf einem Server einen eigenen Corda-Knoten erstellen. Die Software steht für Windows und macOS zur Verfügung.

In ein Corda-Netzwerk lassen sich auch spezielle Knoten anbinden, die vor allem der Überwachung des Systems dienen. Am Beispiel von Banken und Versicherungen können auf diesem Weg zum Beispiel auch Überwachungsknoten der Aufsichtsbehörden implementiert werden. Das ist mit herkömmlichen Blockchain-Lösungen kaum umsetzbar.

Fazit

Auch, wenn es sich bei Corda um keine echte Blockchain-Lösung handelt, ist die Plattform optimal auf Finanzwesen und das Abschließen von Verträgen fokussiert. Da sehr bekannte Banken Mitglied im Konsortium sind, ist davon auszugehen, dass diese Lösung auf Dauer am Markt etabliert wird, und vor allem im Finanz- und Vertragswesen eine feste Größe wird. Allerdings ist das nicht in jedem Fall gegeben, denn Blockchain-Lösungen sind derzeit viele am Markt, von denen einige nicht überleben dürften. Gerüchten nach gibt es innerhalb des Konsortiums gegensätzliche Positionen, was die Weiterentwicklung der Lösung betrifft. Es lohnt sich in jedem Fall einen Blick auf die Möglichkeiten zu werfen, die Corda bietet, vor allem für Unternehmen im Finanz- und Versicherungssektor.

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Über den Autor

 Thomas Joos

Thomas Joos

Freiberuflicher Autor und Journalist