Revisionssicherheit, Transparenz und Effizienz für Lieferketten Blockchain in Supply Chain und Logistik

Autor / Redakteur: Dipl. Betriebswirt Otto Geißler / Peter Schmitz

Im Vergleich zu klassischen Track- und Trace-Systemen bietet die Blockchain-Technologie viele Vorteile: Rückverfolgung von Waren in Echtzeit, Digitalisierung der Frachtpapiere, automatische Abfertigung von Zollgütern oder digitaler Nachweis beim Haftungsübergang u.v.m. Voraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung: die Akzeptanz der Teilnehmer.

Komplexe und nicht integrierte Supply-Chain-Netzwerke und damit eine mangelnde Transparenz können zu Kosten- und Kundenbeziehungsproblemen führen, die sich negativ auf einen Markennamen auswirken können. Die Blockchain-Technologie bietet eine Lösung, mit der bspw. eine Herkunftsverfolgung ermöglicht wird.
Komplexe und nicht integrierte Supply-Chain-Netzwerke und damit eine mangelnde Transparenz können zu Kosten- und Kundenbeziehungsproblemen führen, die sich negativ auf einen Markennamen auswirken können. Die Blockchain-Technologie bietet eine Lösung, mit der bspw. eine Herkunftsverfolgung ermöglicht wird.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Management von Lieferketten ist außerordentlich komplex. Zum Beispiel bei einer einzigen Lieferung von Ostafrika nach Europa können rund 30 Organisationen sowie mehr als 200 Interaktionen involviert sein. Erfolgreiche Supply-Chain-Strukturen basieren auf einer transparenten und durchgängigen Kommunikation durch geografisch verteilte Partner-Ökosysteme. Aufgrund der hohen Komplexität und vielfach mangelnden Transparenz in den Lieferketten rückt die Rolle der Blockchain für das Supply-Chain-Management (SCM) zunehmend in den Fokus des Interesses.

Digitalisierung noch ein Fremdwort

Obwohl Unternehmen verschiedener Branchen bereits mit der Blockchain oder an den weiteren Varianten der Distributed-Ledger-Technologien (DLT) experimentieren, ist die Akzeptanz in der Logistikbranche eher schleppend.

Dies ist der Tatsache geschuldet, dass in den Lieferketten noch viele Datensilos anzutreffen sind und zwischen den Teilnehmern der Supply-Chain kein übergreifender Austausch stattfindet. Inzwischen wurden zwar Transportmittel wie zum Beispiel Container oder Paletten standardisiert, allerdings sind die jeweiligen Übergabestationen (Schnittstellen) weit davon entfernt kompatibel zu sein.

Eine solche technische Verschiedenheit macht einen effizienten, reibungslosen und beschleunigten Güterverkehr nahezu unmöglich. Insbesondere mit dem Grundgedanken der Blockchain, der Neutralisierung von Intermediären, kann sie ihre Stärken voll zur Entfaltung bringen. Das heißt, über ein digitales Hauptbuch bzw. Register (ledger) werden alle Transaktionen protokolliert, in Datenpaketen (Blöcken) verschlüsselt und mit einem Zeitstempel gespeichert.

Blockchain im Fokus der Digitalisierung

Neben der Transparenz ist die Revisionssicherheit einer der wichtigsten Vorzüge der Blockchain. Damit hebt sich die Technologie von den herkömmlichen Track- und Trace-Systemen deutlich ab.

Vor allem auch profiliert sie sich durch die Fähigkeit, zukünftig komplette Geschäftsprozesse automatisieren zu können, die sich bis heute nur durch einen hohen manuellen Aufwand bewerkstelligen lassen. Somit kann beispielsweise die Faktura im Zuge der Liefereingangsbestätigung über Smart-Contracts als „selbstausführende Verträge“ automatisch abgewickelt werden.

Voraussetzungen für die Implementierung

Für eine erfolgreiche Umsetzung muss von den teilnehmenden Netzwerkern die Finanzierung der Prozessumstellungen und der Implementierung sichergestellt werden. Ferner erklären sie sich bereit, Verträge und sonstige relevante Daten zu den Produkten zu liefern. Nicht zuletzt deshalb raten Experten dazu, die Blockchain schrittweise in das Supply-Chain-Management einzuführen.

Als erster Schritt empfiehlt es sich, das Grundgerüst einer internen Blockchain-Datenbank zu erstellen, mit der sich die Betreiber schon einmal beschäftigen können. Dabei ist zu beachten, dass die Systeme, die für die Supply-Chain des Unternehmens speziell entwickelt wurden, sich nicht ohne weiteres an eine Blockchain-basierte Umgebung anpassen lassen.

Das hieße, die IT-Infrastruktur des teilnehmenden Unternehmens müsste teilweise erneuert bzw. auf die Anforderungen der Blockchain abgestimmt werden. Darauf sollte ein Unternehmen im Hinblick seiner zur Verfügung stehenden Ressourcen vorbereitet sein. Nicht zuletzt können im Management unterschiedliche Meinungen entstehen.

Im Anschluss an den ersten Schritt kann die Blockchain nun auf die direkt vor- und nachgelagerten Netzwerk-Teilnehmer übertragen werden. Auf diese Weise wird gleich der erste Datenaustausch angeregt.

Der finale Schritt sieht dann den kompletten Rollout auf alle Stufen der Wertschöpfungskette bis hin zu einem Endkunden oder Endverbraucher vor. Und gerade dieser profitiert dann durch ein deutliches Mehr an Transparenz, Revisionssicherheit, Effizienz sowie die daraus resultierende Kostenreduktion.

Anwendungsfälle für die Lieferkette

Ein Beispiel für eine Supply-Chain-Blockchain für Lieferantenzahlungen ist die Kaffeebranche. Die Blockchain-Technologie kommt hier zum Einsatz, um alle Elemente des weltweiten Kaffeehandels - vom Landwirt bis zum Verbraucher - besser im Überblick behalten zu können und damit die Produktivität der Lieferkette zu steigern.

Durch die Verwendung von Kryptowährungen gewährleistet diese Anwendung direkte Zahlungen an die Landwirte, sobald ihre Produkte verkauft werden. Darüber hinaus können die Teilnehmer durch die Kombination von Supply-Chain-Finance mit der Blockchain-Technologie Smart-Contracts nutzen, die eine sofortige Zahlung auslösen, sobald das Produkt geliefert wird.

Lebensmittel und pharmazeutische Produkte sind häufig bestimmten Lagerungs- und Versandanforderungen unterworfen. Eine Blockchain, die mit IoT-Sensoren am Produkt verbunden ist, kann Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Vibration und andere Umgebungsmetriken aufzeichnen. Die gewonnenen Daten werden dann in einer Blockchain gespeichert. Mithilfe Smart-Contracts löst das System automatisch vordefinierte Rabattleistungen oder Rücknahmen aus, wenn einer der Messwerte außerhalb des zulässigen Bereichs liegt.

Kreuzkontaminationen im Lebensmittelbereich sind schwer zu tracken bzw. zu isolieren. Tritt ein Problem auf, so dauert es meist sehr lange, bis die Ursache gefunden wird. Die Folge: unnötige Verschwendung von Ressourcen, Kosten für Fehlerbehebung und Reputationseinbußen bei Rückrufen. Die Blockchain soll bei einer Nachverfolgung von Waren in der Lieferkette sicherstellen, dass alle Produktbewegungen und Veränderungen transparent sind.

(ID:47086143)

Über den Autor